Was beim ersten Akupunkturtermin passiert
Der erste Termin beginnt mit einem ausführlichen Gespräch. Die Praxis fragt nach Ihren Beschwerden, Ihrer Krankengeschichte, Ihren Medikamenten und Ihren Lebensgewohnheiten. Nach Angaben der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur folgt oft eine Puls- und Zungendiagnose. Die Behandlerin tastet dabei den Puls am Handgelenk und betrachtet die Zunge.
Die Praxis deutet diese Befunde nach der Lehre der Traditionellen Chinesischen Medizin, kurz TCM. Sie ordnet Beschwerden bestimmten Störungsmustern zu und beschreibt Leitbahnen, auch Meridiane genannt, auf denen die Akupunkturpunkte liegen. Beim Kassenarzt gehören zum ersten Termin eine Schmerzanalyse, eine Diagnose nach den Regeln der TCM, ein Therapieplan mit den ausgewählten Punkten und eine eingehende Beratung. Dafür sind mindestens 40 Minuten vorgesehen.
Diese Fragen stellt die Praxis im Erstgespräch typischerweise.
- Wo sitzen die Beschwerden, seit wann bestehen sie, wie stark und wie häufig treten sie auf?
- Wie sehr beeinträchtigen die Beschwerden Ihren Alltag und Ihre Stimmung?
- Welche Behandlungen hatten Sie bisher, und mit welchem Ergebnis?
- Welche Medikamente nehmen Sie, vor allem Mittel zur Blutverdünnung?
- Welche Vorerkrankungen bestehen, etwa Gerinnungsstörungen, ein Herzschrittmacher, eine künstliche Herzklappe oder eine Schwangerschaft?
- Welches Ziel verfolgen Sie mit der Behandlung, und woran würden Sie eine Veränderung erkennen?
Vor der ersten Nadel muss die Praxis Sie aufklären. Sie muss mündlich mit Ihnen über Ablauf, Folgen und Risiken sprechen, und zwar so rechtzeitig, dass Sie in Ruhe entscheiden können. Unterschreiben Sie dabei etwas, bekommen Sie eine Kopie. Welche Nebenwirkungen zur Sprache kommen sollten und wann eine Akupunktur nicht infrage kommt, beschreibt der Überblick zu den Nebenwirkungen der Akupunktur.
Wie eine Akupunktursitzung Schritt für Schritt abläuft
Eine Sitzung folgt einem festen Ablauf, ob eine Ärztin oder ein Heilpraktiker behandelt. Auf Kassenkosten sind ein abgeschlossener Raum mit Liege und sterile Einmalnadeln Pflicht.
1. Hinlegen
Sie liegen auf dem Rücken, dem Bauch oder der Seite, je nachdem, wo die Punkte liegen.
2. Punkte suchen
Die Behandlerin sucht die Akupunkturpunkte nach dem Therapieplan auf und bestimmt ihre genaue Lage, oft durch Tasten.
3. Nadeln setzen
Die Behandlerin sticht sterile Einmalnadeln in die Haut. Auf Kassenkosten sind es 14 bis 20 Nadeln am Rücken oder 7 bis 15 je Knie.
4. Reizen
Viele Behandler drehen oder bewegen die Nadeln, damit ein besonderes Nadelgefühl entsteht. Die TCM nennt es De-Qi.
5. Ruhen
Die Nadeln bleiben 20 bis 30 Minuten liegen, auf Kassenkosten mindestens 20 Minuten. Sie liegen dabei still.
6. Nadeln ziehen und zählen
Die Praxis entfernt alle Nadeln, zählt sie und hält die Sitzung fest. Danach stehen Sie langsam auf.
Das De-Qi-Gefühl ist kein Zeichen, dass etwas schiefgeht. Es ist aber auch kein Muss. Im Modellvorhaben der Techniker Krankenkasse lösten 84,6 Prozent der befragten Ärzte es bewusst aus. Eine Doktorarbeit der Charité fand bei diesen Ärzten mehr Nebenwirkungen. Die Autorin erklärt das unter anderem damit, dass Patienten das Nadelgefühl als unangenehm erleben können. Sagen Sie deshalb Bescheid, wenn Ihnen die Reizung zu stark ist.
Wie lange eine Akupunktursitzung dauert
Die Nadeln bleiben in der Regel 20 bis 30 Minuten in der Haut. Diese Spanne nennen die Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur und die Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und TCM, ein Fachverband nichtärztlicher TCM-Therapeuten. Auf Kassenkosten müssen die Nadeln mindestens 20 Minuten liegen, und die ganze Sitzung dauert mindestens 30 Minuten.
Akupunkturnadeln sind hauchdünn und biegsam und sehen ganz anders aus als eine Spritzennadel. Üblich sind sterile Einmalnadeln aus Stahl. Der Bund Deutscher Heilpraktiker nennt daneben Nadeln aus Gold oder Silber, die nach jeder Anwendung sterilisiert werden. Wie viele Nadeln nötig sind, hängt vom Therapieplan ab. Der Heilpraktikerverband nennt bis zu 15 Nadeln je Sitzung, in Sonderfällen mehr.
Wie sich der Einstich anfühlt, beschreiben Verband und Studie unterschiedlich. Der Fachverband AGTCM schreibt, dass Patienten den Einstich in der Regel kaum oder gar nicht spüren. In einer großen deutschen Beobachtungsstudie von 2009 nannten dagegen 1,7 Prozent der Behandelten Schmerzen als Nebenwirkung. Beides passt zusammen: Die meisten Menschen empfinden die Nadeln als wenig schmerzhaft, einige wenige spüren deutlich mehr.
Wie viele Sitzungen eine Akupunktur umfasst
Eine feste Zahl an Sitzungen gibt es nicht, aber die bekannten Angaben liegen nah beieinander. Auf Kassenkosten sind bis zu 10 Sitzungen in 6 Wochen erlaubt, mit Begründung bis zu 15 in 12 Wochen, und eine neue Serie beginnt frühestens nach 12 Monaten. Wer die 10 Sitzungen in 6 Wochen ausschöpft, kommt auf knapp zwei Sitzungen pro Woche. Die beiden großen Studien kommen auf durchschnittlich 10,2 und 10,1 Sitzungen. Der Berufsverband der Heilpraktiker rechnet mit etwa 10 bis 15. Die Ärztegesellschaft hält erst nach 5 bis 6 Sitzungen eine erste Einschätzung für möglich.
| Woher die Angabe kommt | Zahl der Sitzungen | Was die Angabe bedeutet |
|---|---|---|
| Regel der Krankenkassen | bis 10 in 6 Wochen, mit Begründung bis 15 in 12 Wochen | verbindliche Vorgabe für Kassenärzte, neue Serie frühestens nach 12 Monaten |
| Beobachtungsstudie der Charité, 2009 | im Schnitt 10,2 | gemessen bei 229.230 Patienten |
| Studien der Techniker Krankenkasse, 2014 ausgewertet | im Schnitt 10,1 | gemessen bei 40.736 Patienten |
| Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur | erste Einschätzung nach 5 bis 6 Sitzungen | Angabe des Fachverbands, Sitzung 20 bis 30 Minuten |
| Bund Deutscher Heilpraktiker | etwa 10 bis 15 | Angabe des Berufsverbands, Stand 2022, Sitzung etwa 20 bis 30 Minuten |
Die erste Bilanz gehört an den Anfang. Die Ärztegesellschaft schreibt, dass sich erst nach etwa fünf bis sechs Sitzungen genauer abschätzen lässt, wie viele Behandlungen noch nötig sind. Wer Ihnen vorab einen sicheren Erfolg nach einer bestimmten Zahl von Terminen verspricht, verstößt gegen das Werberecht für Heilmittel. Es verbietet, den Eindruck zu erwecken, ein Erfolg sei mit Sicherheit zu erwarten.
Wer eine Serie auf Kassenkosten erhält, bekommt eine solche Bilanz ohnehin, denn der Kassenarzt erhebt zum Abschluss Schmerzstärke, Schmerzhäufigkeit, Alltagsbeeinträchtigung und Zufriedenheit. Unter welchen Bedingungen die Kasse zahlt, erklärt der Überblick Wann die Krankenkasse Akupunktur zahlt.
Welche 6 Varianten es neben der Nadelakupunktur gibt
Neben der Körperakupunktur mit Nadeln gibt es verwandte Verfahren. Der Bund Deutscher Heilpraktiker nennt zum Beispiel Ohrakupunktur, Elektroakupunktur, Laserakupunktur, Akupressur und Moxibustion. Auf Kassenkosten gibt es keine dieser Varianten, denn die Richtlinie erfasst nur die Körperakupunktur mit Nadeln ohne elektrische Stimulation. Hier sind sechs Varianten im Überblick.
- Elektroakupunktur: Die Nadeln werden an ein Gerät angeschlossen, das schwachen Strom durchleitet. Mit einem Herzschrittmacher gilt sie in der Fachliteratur als ausgeschlossen.
- Moxibustion: Die Praxis erwärmt Akupunkturpunkte mit glimmendem Beifußkraut, direkt über der Haut oder auf der Nadel. Dazu kommt das Risiko von Verbrennungen.
- Ohrakupunktur: Die Nadeln sitzen nur an der Ohrmuschel.
- Dauernadeln: Kleine Nadeln bleiben mit einem Pflaster über Tage in der Haut, oft am Ohr. Bei Herzklappenfehlern und künstlichen Herzklappen rät die Fachliteratur davon ab.
- Laserakupunktur: Ein schwacher Laser reizt die Punkte ohne Nadel.
- Akupressur: Die Punkte werden mit dem Finger gedrückt, auch zur Selbstbehandlung.
Worauf Sie bei Hygiene und Nachsorge achten
Die wichtigste Regel ist einfach: Jede Nadel ist steril und wird nur einmal benutzt. Das National Center for Complementary and Integrative Health der US-Gesundheitsbehörde NIH weist darauf hin: Komplikationen entstanden vor allem durch unsterile Nadeln und falsche Anwendung. Eine Auswertung von Berichten über Einzelfälle aus den Jahren 2000 bis 2011 fand vor allem bakterielle Infektionen über die Haut an der Einstichstelle. In einer früheren Auswertung derselben Forschergruppe waren es noch Hepatitis-Infektionen durch wiederverwendete Nadeln.
Das Gesundheitsamt darf Praxen, in denen Krankheitserreger über Blut übertragen werden können, hygienisch überwachen. Darunter können Arztpraxen wie Heilpraktikerpraxen fallen, in denen genadelt wird. Fällt Ihnen ein Hygienemangel auf, zum Beispiel eine Nadel aus einer bereits geöffneten Packung, können Sie sich an das Gesundheitsamt wenden.
- Fragen Sie vor der ersten Sitzung, ob die Praxis sterile Einmalnadeln verwendet, und lassen Sie sich die ungeöffnete Verpackung zeigen, wenn Sie unsicher sind.
- Nennen Sie alle Medikamente, besonders Blutverdünner, und Vorerkrankungen wie Gerinnungsstörungen, Herzschrittmacher, künstliche Herzklappen oder eine Schwangerschaft.
- Kommen Sie nicht nüchtern oder erschöpft zum Termin und bleiben Sie während der Ruhephase liegen.
- Achten Sie darauf, dass die Praxis alle Nadeln zieht. In den beiden Teilen des Modellvorhabens der Techniker Krankenkasse wurden 13 vergessene Nadeln dokumentiert.
- Stehen Sie nach der Sitzung langsam auf und fahren Sie erst los, wenn Sie sich wieder sicher fühlen.
- Melden Sie der Praxis anhaltende Schmerzen, Rötung, Schwellung oder Fieber an einer Einstichstelle. Bei Atemnot oder Brustschmerz nach Nadeln am Oberkörper rufen Sie den Notruf 112.
Nach einer Sitzung sind kleine Blutergüsse, ein Tropfen Blut an der Einstichstelle oder Müdigkeit häufig. Die Ärztegesellschaft nennt sie als mögliche Folgen, die von selbst vergehen. Wie häufig Nebenwirkungen insgesamt sind, zeigt eine große Studie: Von 229.230 Behandelten berichteten 8,6 Prozent über mindestens eine.
Häufige Fragen
Tut Akupunktur weh?
Akupunktur ist für die meisten Menschen wenig schmerzhaft, weil die Nadeln sehr dünn sind. Ein Fachverband für nichtärztliche TCM-Therapeuten schreibt, dass Patienten den Einstich in der Regel kaum oder gar nicht spüren. In einer deutschen Beobachtungsstudie mit 229.230 Patienten nannten 1,7 Prozent Schmerzen als Nebenwirkung. Ist Ihnen die Reizung zu stark, sagen Sie es der Praxis sofort.
Wie lange bleiben die Nadeln bei einer Akupunktur liegen?
Die Nadeln bleiben bei einer Akupunktur in der Regel 20 bis 30 Minuten liegen, so die Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur. Auf Kassenkosten müssen sie mindestens 20 Minuten liegen, und die ganze Sitzung dauert mindestens 30 Minuten. Sie liegen dabei ruhig auf einer Liege.
Wie oft pro Woche wird akupunktiert?
Bei einer Akupunktur auf Kassenkosten sind bis zu 10 Sitzungen in höchstens 6 Wochen vorgesehen, das sind knapp zwei Sitzungen pro Woche. Wenn Sie selbst zahlen, gibt es keine feste Vorgabe. Den Abstand legt der Therapieplan der Praxis fest, und Sie können ihn dort erfragen.
Wie viele Akupunktursitzungen braucht man insgesamt?
Eine Akupunkturserie umfasst meist rund 10 Sitzungen. In einer Charité-Studie erhielten 229.230 Patienten im Schnitt 10,2 Behandlungen, auf Kassenkosten sind bis zu 10 vorgesehen, mit Begründung 15. Die Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur rät, nach etwa fünf bis sechs Sitzungen zu prüfen, wie viele Behandlungen noch sinnvoll sind. Einen Erfolg nach einer bestimmten Zahl kann niemand versprechen.
Werden Akupunkturnadeln mehrfach verwendet?
Akupunkturnadeln werden heute in der Regel als sterile Einmalnadeln nur einmal verwendet, und auf Kassenkosten ist das vorgeschrieben. Der Bund Deutscher Heilpraktiker erwähnt zusätzlich Gold- oder Silbernadeln, die nach jeder Anwendung sterilisiert werden. Wiederverwendete Nadeln haben früher Hepatitis-Infektionen übertragen. Fragen Sie vor der ersten Sitzung, welche Nadeln die Praxis verwendet.
