Welche Nebenwirkungen nach einer Akupunktur häufig sind
Leichte Nebenwirkungen sind nach einer Akupunktur häufig, schwere selten. Eine der größten deutschen Erhebungen stammt von Forschenden der Charité Berlin. Sie befragten 229.230 Patientinnen und Patienten, die im Schnitt 10,2 Sitzungen erhalten hatten, und veröffentlichten die Ergebnisse 2009. Davon berichteten 8,6 Prozent über mindestens eine Nebenwirkung, 2,2 Prozent über eine, die behandelt werden musste.
Am häufigsten waren Blutungen und Blutergüsse an der Einstichstelle. Sie betrafen 6,1 Prozent der Behandelten und machten 58 Prozent aller gemeldeten Nebenwirkungen aus. Danach folgten Schmerzen mit 1,7 Prozent und sogenannte vegetative Beschwerden mit 0,7 Prozent. Dabei reagiert das Nervensystem, das Kreislauf, Atmung und Verdauung ohne unseren Willen steuert, zum Beispiel mit Schwindel, Übelkeit oder Schweißausbruch.
Nach einer Sitzung kommen vor allem diese Reaktionen vor.
- An der Einstichstelle tritt ein Tropfen Blut oder ein kleiner Bluterguss auf, der von selbst verschwindet.
- Die Einstichstelle schmerzt beim Stich oder danach.
- Die Haut rund um die Einstichstelle rötet sich.
- Sie fühlen sich während oder nach der Sitzung müde, schwindelig oder übel, oder Sie schwitzen.
Eine Auswertung von 21 Studien im Fachblatt BMJ Open bestätigt diese Größenordnung. Die Studien hatten die Patienten von Anfang an beobachtet. Bei 9,31 Prozent trat während einer Akupunkturserie mindestens eine Nebenwirkung auf. Die Hälfte aller Nebenwirkungen waren Blutungen, Schmerzen oder Rötungen an der Einstichstelle. Manche Akupunkteure werten solche Reaktionen als erwünschte Wirkung. Auch deshalb erfassen Studien Nebenwirkungen sehr unterschiedlich, und die Zahlen schwanken stark.
Wer die Zahlen liest, sollte wissen, wer sie gemeldet hat. Eine Doktorarbeit der Charité zum Modellvorhaben der Techniker Krankenkasse fand: Patienten gaben mehr als sechsmal so viele Nebenwirkungen an wie die behandelnden Ärzte. Frauen und jüngere Patienten meldeten häufiger welche. Fragen Sie eine Praxis deshalb, welche Nebenwirkungen sie bei ihren Patienten beobachtet und wie sie davon erfährt.
Wie selten schwere Komplikationen bei Akupunktur sind
Schwere Komplikationen nach einer Akupunktur sind selten, aber belegt. Die Auswertung von 21 Studien schätzt sie auf etwa 1 je 10.000 Patienten und knapp 8 je eine Million Behandlungen. Zwei Fachleute prüften die beschriebenen schweren Ereignisse und hielten 44 Prozent davon für möglicherweise durch die Akupunktur verursacht. Am häufigsten waren darunter Luft im Brustraum, starke Kreislaufreaktionen und Stürze, jeweils mit ein bis drei Fällen je eine Million Behandlungen.
Luft im Brustraum heißt Pneumothorax. Er entsteht, wenn eine Nadel am Brustkorb oder oberen Rücken zu tief eindringt und die Hülle der Lunge verletzt. Dann gelangt Luft in den Brustraum, und die Lunge fällt teilweise zusammen. In der Charité-Studie kam das bei 2 von 229.230 Patienten vor, einer musste ins Krankenhaus. Die längste Nebenwirkung dieser Studie dauerte 180 Tage, eine Nervenschädigung am Bein.
Die Häufigkeiten reichen von 1 bis 3 Fällen je eine Million Behandlungen bis zu 1 bis 2 von 1.000 Patienten. Am unteren Ende stehen Luft im Brustraum und Kreislaufreaktionen, am oberen Verbrennungen und Fehler der Behandelnden. Bei den übrigen Komplikationen nennen die Studien Einzelfälle, darunter 13 vergessene Nadeln und eine Nervenschädigung von 180 Tagen Dauer.
| Komplikation | Typische Ursache | Wie oft |
|---|---|---|
| Luft im Brustraum (Pneumothorax) | Zu tiefer Stich am Brustkorb oder oberen Rücken | 1 bis 3 je eine Million Behandlungen, 2 von 229.230 Patienten in der Charité-Studie |
| Starke Kreislaufreaktion bis zur Ohnmacht, Sturz | Reaktion des Nervensystems auf den Nadelreiz, begünstigt durch Angst, Hunger oder Erschöpfung | 1 bis 3 je eine Million Behandlungen |
| Infektion an der Einstichstelle | Bakterien von der Haut, früher auch Hepatitis durch wiederverwendete Nadeln | In Berichten über Einzelfälle von 2000 bis 2011 die häufigste Komplikation |
| Nervenschädigung | Stich in oder an einen Nerv | Einzelfälle, längste Dauer 180 Tage |
| Verbrennung | Moxibustion, also Erwärmen der Punkte mit glimmendem Beifußkraut | 1 bis 2 je 1.000 Patienten, zusammen mit Fehlern der Behandelnden |
| Vergessene Nadel | Die Nadel wird nach der Sitzung nicht entfernt | 13 dokumentierte Fälle im Modellvorhaben der Techniker Krankenkasse |
Die meisten Daten stammen aus ärztlichen Praxen. Für nichtärztliche Akupunkteure gibt es eine britische Erhebung, die York-Studie von 2001. Sie dokumentierte 34.407 Behandlungen und fand keine schwere Komplikation. Eine vergleichbare Erhebung für Heilpraktiker in Deutschland ist in der Fachliteratur nicht veröffentlicht.
Wann Akupunktur nicht infrage kommt
Manche Umstände sprechen gegen eine Akupunktur. Das heißt: Sie sollten dann keine Nadeln bekommen oder nur bestimmte Techniken und Körperstellen. Die Angaben stammen aus einer Doktorarbeit der Charité, die die Fachliteratur zusammenfasst, und aus dem Lexikon des Bundes Deutscher Heilpraktiker.
| Umstand | Was nicht infrage kommt | Warum |
|---|---|---|
| Schwere Gerinnungsstörung, das Blut gerinnt schlecht | Akupunktur insgesamt | Blutungen lassen sich schwer stillen |
| Mangel an bestimmten weißen Blutkörperchen (Neutropenie), etwa nach einer Chemotherapie | Akupunktur insgesamt | Infektionen werden schlechter abgewehrt |
| Lymphödem, eine Schwellung durch gestauten Lymphabfluss, etwa nach einer Krebsoperation | Akupunktur, jedenfalls im betroffenen Körperteil | Erhöhtes Risiko einer Hautinfektion |
| Herzschrittmacher | Elektroakupunktur | Der Strom kann den Schrittmacher stören |
| Herzklappenfehler oder künstliche Herzklappe | Dauernadeln, die über Tage in der Haut bleiben | Keime aus der Haut können ins Blut gelangen und eine Herzklappe entzünden |
| Schwangerschaft | Nadeln an Bauch, unterem Rücken und Kreuzbein | Die Fachliteratur rät, diese Regionen auszulassen. Nach dem Heilpraktikerverband bleiben außerdem Punkte tabu, die hormonell wirken oder Wehen anregen. |
| Hauterkrankung an der Einstichstelle, Nervenerkrankung mit Gefühlsstörungen, Epilepsie, schwere psychische Erkrankung, Kinder unter 12 Jahren, stark geschwächte Menschen | Akupunktur, in der Regel | Einschätzung des Heilpraktikerverbands, Ausnahme ist eine spezielle Kinderakupunktur |
Bei Krebserkrankungen gilt eine eigene Regel: Nadeln gehören nie in Tumorgewebe, und Akupunktur kann Anzeichen eines wachsenden Tumors verdecken.
Ist Akupunktur mit Blutverdünnern möglich?
Blutverdünnende Medikamente schließen eine Akupunktur nach der vorhandenen Studienlage nicht grundsätzlich aus. Eine Auswertung von 2015 wertete Daten zu 384 Patienten mit Blutverdünnern und 3.974 Behandlungen aus. Nur einmal kam es zu einer mittelschweren Blutung, einem großen Bluterguss an der Hüfte. Das entspricht 0,003 Prozent der Behandlungen. In einer der Fallserien trat ein Blutstropfen nach dem Ziehen der Nadel bei 14,6 Prozent der Behandlungen auf, ein Wattetupfer stillte ihn.
Die Autoren schränken ein: Das gilt nur bei richtiger Wahl von Einstichort und Stichtiefe. Die Charité-Doktorarbeit verweist außerdem darauf, dass Fachleute bei Vitamin-K-Hemmern wie Phenprocoumon besondere Aufmerksamkeit empfehlen. Eine schwere Gerinnungsstörung bleibt dagegen ein Grund, auf Akupunktur zu verzichten.
Wie Sie Ihr Risiko bei Akupunktur senken
Viele Komplikationen gelten in der Fachliteratur als vermeidbar. Die Charité-Doktorarbeit zählt vergessene und infizierte Nadeln ausdrücklich dazu. Bei Ärztinnen und Ärzten mit umfangreicherer Akupunkturausbildung und einem höheren Anteil an Akupunktur in ihrer Arbeit meldeten Patienten außerdem seltener Nebenwirkungen.
- Lassen Sie neue oder sich verschlimmernde Beschwerden zuerst ärztlich abklären, bevor Sie eine Akupunktur beginnen.
- Fragen Sie nach der Akupunkturausbildung der Praxis und danach, wie oft sie akupunktiert. Bei Ärzten zeigt die Zusatzbezeichnung Akupunktur eine geregelte Weiterbildung von 200 Stunden. Für Heilpraktiker gibt es keinen gesetzlichen Ausbildungsstandard.
- Nennen Sie alle Medikamente und Vorerkrankungen, besonders Blutverdünner, Gerinnungsstörungen, Herzschrittmacher, künstliche Herzklappen, Krebserkrankungen und eine Schwangerschaft.
- Bestehen Sie auf sterilen Einmalnadeln und auf einer mündlichen Aufklärung über Risiken vor der ersten Nadel.
- Kommen Sie nicht hungrig, erschöpft oder mit großer Angst zur Sitzung. Sagen Sie sofort Bescheid, wenn Ihnen schwindelig wird.
- Achten Sie darauf, dass die Praxis nach der Sitzung alle Nadeln zieht und zählt.
Wer Akupunktur als frei von Nebenwirkungen bewirbt, verstößt gegen das Werberecht für Heilmittel. Es verbietet, fälschlich den Eindruck zu erwecken, bei einem Verfahren träten keine schädlichen Wirkungen ein. Nach den genannten Studien kommen leichte Nebenwirkungen bei knapp jedem zehnten Patienten vor.
Welche Beschwerden nach Akupunktur ein Warnzeichen sind
Die meisten Beschwerden nach einer Akupunktur vergehen von selbst. Die Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur nennt leichte Hautreizungen, kleine Blutergüsse und kurzfristige Müdigkeit als mögliche, vorübergehende Folgen. Ernst sind dagegen drei Anzeichen. Atemnot oder stechende Brustschmerzen nach Nadeln am Brustkorb oder oberen Rücken können auf Luft im Brustraum hinweisen. Fieber mit einer geröteten, geschwollenen Einstichstelle spricht für eine Infektion. Eine Taubheit oder Lähmung, die nicht abklingt, spricht für eine Nervenreizung.
Atemnot oder stechender Schmerz in der Brust nach Nadeln am Oberkörper?
Rufen Sie den Notruf 112 und sagen Sie, dass Sie kurz vorher akupunktiert wurden. Es kann Luft im Brustraum sein.
Einstichstelle gerötet, geschwollen oder eitrig, oder Fieber oder anhaltende Taubheit?
Lassen Sie sich zeitnah ärztlich untersuchen. Eine Infektion oder Nervenreizung muss behandelt werden.
Blutergüsse, Müdigkeit und eine leichte, kurze Verschlechterung sind häufige Reaktionen. Sagen Sie es der Praxis vor der nächsten Sitzung.
Melden Sie jede ungewöhnliche Reaktion der Praxis, auch wenn sie von selbst vergeht. Die Doktorarbeit nennt einen Grund, warum Ärzte weniger Nebenwirkungen erfassen als Patienten: Beschwerden, die erst zu Hause auftreten, erfährt die Praxis oft gar nicht. Mit Ihrer Rückmeldung kann sie Punkte, Stichtiefe oder Reizung in der nächsten Sitzung anpassen.
Häufige Fragen
Wie häufig sind Nebenwirkungen nach einer Akupunktur?
Nebenwirkungen nach einer Akupunktur treten bei knapp jedem zehnten Behandelten auf. In einer Charité-Studie mit 229.230 Patienten waren es 8,6 Prozent, eine Auswertung von 21 Studien kommt auf 9,31 Prozent je Behandlungsserie. Am häufigsten sind Blutergüsse und kleine Blutungen an der Einstichstelle, gefolgt von Schmerzen und Kreislaufreaktionen. Schwere Komplikationen betreffen etwa 1 von 10.000 Patienten.
Kann eine Akupunktur die Lunge verletzen?
Eine Akupunktur kann die Lunge verletzen, wenn eine Nadel am Brustkorb oder oberen Rücken zu tief eindringt. Dann gelangt Luft in den Brustraum, und die Lunge fällt teilweise zusammen. In einer Charité-Studie trat das bei 2 von 229.230 Patienten auf. Bei Atemnot oder Brustschmerz nach einer solchen Behandlung rufen Sie den Notruf 112.
Ist Akupunktur mit Blutverdünnern möglich?
Akupunktur ist mit Blutverdünnern nach der vorhandenen Studienlage grundsätzlich möglich, wenn Einstichort und Stichtiefe passend gewählt werden. Eine Auswertung von 2015 fand bei 3.974 Behandlungen von Patienten mit Blutverdünnern nur eine mittelschwere Blutung. Nennen Sie das Medikament der Praxis und setzen Sie es nie selbst ab. Eine schwere Gerinnungsstörung ist dagegen ein Grund, auf Akupunktur zu verzichten.
Darf man mit Herzschrittmacher zur Akupunktur?
Mit einem Herzschrittmacher gilt in der Fachliteratur die Elektroakupunktur als ausgeschlossen, nicht die Akupunktur mit Nadeln allein. Der Strom an den Nadeln kann die Steuerung des Schrittmachers stören, das zeigte schon eine Untersuchung von 1980. Nennen Sie den Schrittmacher vor der ersten Sitzung und fragen Sie, ob die Praxis mit Strom arbeitet.
Wann kommt eine Akupunktur nicht infrage?
Eine Akupunktur kommt nach der Fachliteratur bei schweren Gerinnungsstörungen und bei Neutropenie nach Chemotherapie nicht infrage. Bei einem Lymphödem gilt das jedenfalls für den betroffenen Körperteil. Mit Herzschrittmacher scheidet die Elektroakupunktur aus, mit künstlicher Herzklappe die Dauernadel, und in der Schwangerschaft bleiben Bauch und unterer Rücken ohne Nadeln. Neue, unklare Beschwerden gehören zuerst in eine Arztpraxis.
