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Ratgeber

Wie sicher ist die Kräutertherapie der TCM?

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Die Kräuter der Traditionellen Chinesischen Medizin können die Leber belasten. In einer deutschen Klinikstudie stieg bei knapp 4 von 100 Patienten der Leberwert leicht bis mäßig an, bei etwa 1 von 1.000 auf mindestens das Fünffache. Pflanzen mit Aristolochia sind verboten, weil sie Nieren und Harnwege schädigen. Lassen Sie Rezepturen in der Apotheke herstellen.

Stark erhöhter Leberwert unter Kräutertherapie
0,12 Prozent
Melchart et al., World Journal of Hepatology 2017, Stand 18. Oktober 2017
Leicht bis mäßig erhöhter Leberwert
3,93 Prozent
Melchart et al., World Journal of Hepatology 2017, Stand 18. Oktober 2017
TCM-Kräuter mit belegtem Leberschaden
28 von 57 untersuchten
Teschke et al., Annals of Hepatology 2015, Stand 1. Januar 2015
Ein hölzerner Apothekerschrank mit vielen kleinen Schubladen, davor Schalen mit getrockneten Kräutern auf einem Tisch.
Chinesische Kräuter stellt in der Regel eine Apotheke für die einzelne Patientin zusammen. Bild: KI generiert.

Welche 5 Verfahren zur TCM gehören

Die Traditionelle Chinesische Medizin, kurz TCM, ist mehr als Akupunktur. Die Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und TCM, ein Fachverband nichtärztlicher Therapeuten, nennt fünf Verfahren. Nicht jede Praxis bietet alle fünf an.

Die fünf Verfahren der TCM nach Angabe des Fachverbands AGTCM.
VerfahrenWas dabei geschieht
AkupunkturNadeln an festgelegten Punkten der Körperoberfläche
Arznei- und HeilkräutertherapieIndividuelle Rezepturen aus Pflanzenteilen, Mineralien und tierischen Bestandteilen
ErnährungstherapieAuswahl und Zubereitung der Speisen nach den Regeln der TCM
Qi Gong, auch Tai ChiLangsame Bewegungs- und Atemübungen
TuinaMassage mit Druck, Streichen und Dehnen

Von der TCM bezahlt die gesetzliche Krankenkasse die Akupunktur, und nur bei zwei Beschwerden. Qi Gong und Tai Chi kann die Kasse als Präventionskurs bezuschussen, wenn der Kurs zertifiziert ist. Nach den Kriterien der gesetzlichen Kassen von Januar 2026 kommen beide Kurse dafür infrage. Wie viel Ihre Kasse übernimmt, erfahren Sie bei ihr.

Warum chinesische Kräuter in die Apotheke gehören

Eine chinesische Kräuterrezeptur ist rechtlich ein Arzneimittel. Sie wird meist in einer Apotheke hergestellt, also für eine einzelne Patientin gemischt, häufig als Abkochung, Granulat oder Pulver. Die Apotheke darf nur Zutaten verwenden, deren Qualität festgestellt ist. Hat der Lieferant ein Prüfzertifikat mitgeschickt, muss die Apotheke in der Regel mindestens prüfen, ob die Zutat wirklich die richtige Pflanze ist.

Diese Prüfung schützt Sie vor Verwechslungen. Der bekannteste Schadensfall entstand, weil in einer Kapsel eine Wurzel versehentlich verwechselt wurde. Eine Apotheke, die Zutaten prüft, kann eine verwechselte Wurzel erkennen. Wer Kräuter selbst im Ausland bestellt, hat diese Prüfung nicht. Arzneimittel, die in Deutschland nicht zugelassen sind, dürfen nur unter engen Bedingungen ins Land gebracht werden. Ein Versand an Verbraucher ist nur aus Apotheken der EU und des Europäischen Wirtschaftsraums erlaubt, nicht aus Drittländern.

Drei Beispiele für Zutaten mit Sonderregeln.

  • Ephedra-Arten, in der TCM Ma Huang, sind zum Einnehmen verschreibungspflichtig. Ein Heilpraktiker darf sie nicht verordnen.
  • Arten der Gattung Aconitum, in der TCM Fu Zi, sind verschreibungspflichtig, außer als Salbe zum äußeren Gebrauch.
  • Arzneimittel, die mit Pflanzen der Familie Aristolochiaceae hergestellt werden, haben in Deutschland keine Zulassung mehr. Das betrifft Aristolochia-Arten und Asarum-Arten.

Verschreibungspflichtig heißt: Die Apotheke gibt das Mittel nur gegen ein Rezept einer Ärztin oder eines Arztes ab. Heilpraktiker dürfen solche Arzneimittel nicht verschreiben. Wer eine TCM-Rezeptur mit Ma Huang oder Fu Zi bekommen soll, braucht also ein ärztliches Rezept.

Warum Aristolochia-Kräuter in Deutschland verboten sind

Der bekannteste Schadensfall der chinesischen Arzneitherapie begann 1990 in einer Brüsseler Abnehmklinik. Wegen eines Herstellungsfehlers war in den Kapseln die Pflanze Stephania tetrandra durch Aristolochia fangchi ersetzt worden. Junge Frauen erkrankten an einer rasch fortschreitenden Vernarbung der Nieren, die Ärzte 1993 in der Fachzeitschrift The Lancet beschrieben.

Im Jahr 2000 untersuchte ein Forscherteam 39 Betroffene. Bei 18 fand es einen Krebs der Harnwege, und in allen Gewebeproben steckten Spuren der Aristolochiasäure im Erbgut.

Deutschland hatte schon vorher reagiert. Das damalige Bundesgesundheitsamt widerrief 1981 die Zulassungen für Arzneimittel, die mit Pflanzen der Gattung Aristolochia hergestellt werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, kurz BfArM, weitete das Verbot 2010 auf Arzneimittel mit Pflanzen der Gattung Asarum aus. Anlass war Aristolochiasäure in Proben der TCM-Droge Xi Xin und in homöopathischen Urtinkturen.

Wie oft chinesische Kräuter die Leber belasten

Das am besten untersuchte Risiko der chinesischen Arzneitherapie ist die Leber. Die erste deutsche TCM-Klinik in Bad Kötzting hat die Leberwerte ihrer Patienten über Jahre erfasst. Forscher veröffentlichten 2017 die Daten von 21.470 Menschen, die zwischen 1994 und 2015 mit normalen Werten aufgenommen und mit chinesischen Kräutern behandelt wurden. Kurz vor der Entlassung wurden die Werte erneut gemessen. Bei 844 von ihnen, also 3,93 Prozent, stieg der Leberwert ALT leicht bis mäßig an. Bei 26 Patienten, 0,12 Prozent, stieg er auf mindestens das Fünffache des oberen Normwerts.

ALT ist ein Enzym aus den Leberzellen. Steigt es im Blut, sind Leberzellen geschädigt. Bei den 26 Patienten mit den höchsten Werten normalisierten sich die Werte kurz nach dem Absetzen der Kräuter wieder. Bei 24 von ihnen hielten die Forscher die Kräuter für eine mögliche oder wahrscheinliche Ursache, bei 2 schlossen sie das aus. Am häufigsten standen zwei Wurzeln im Verdacht: Chai Hu (Bupleuri radix) und Huang Qin (Scutellariae radix).

Ein zweites Forscherteam trug 2015 weltweit veröffentlichte Berichte über Einzelfälle zusammen. Es fand 77 Veröffentlichungen zu 57 verschiedenen TCM-Kräutern und Mischungen. Für 28 davon ließ sich ein Zusammenhang mit einem Leberschaden belegen, darunter Gan Cao, Ma Huang, Huang Qin und Ho Shou Wu. Diese Zahlen sagen nichts über die Häufigkeit, weil Berichte über Einzelfälle nur erfassen, was jemand gemeldet hat. Sie zeigen aber, dass pflanzliche Mittel die Leber schädigen können.

Wie Sie eine Kräuterrezeptur der TCM prüfen

Die Qualität einer Rezeptur erkennen Sie nicht im Glas. Sie können aber Papiere und Zuständigkeiten prüfen.

  1. Lassen Sie sich die Rezeptur schriftlich geben, mit den lateinischen Drogennamen und den chinesischen Bezeichnungen. Nur so lässt sich später klären, was Sie eingenommen haben.
  2. Fragen Sie, welche Apotheke die Mischung herstellt, und fragen Sie dort, wie die Zutaten geprüft werden.
  3. Prüfen Sie die Liste auf Zutaten, die nur auf Rezept erhältlich sind, wie Ma Huang oder Fu Zi. Diese darf nur eine Ärztin oder ein Arzt verordnen.
  4. Nennen Sie alle Medikamente, die Sie nehmen, und fragen Sie nach Wechselwirkungen. Die Apotheke kann das prüfen, die Kräuterpraxis kennt Ihre übrigen Rezepte oft nicht.
  5. Fragen Sie Ihre Ärztin, ob Ihre Leberwerte kontrolliert werden sollten, wenn Sie eine Rezeptur länger einnehmen.
  6. Bestellen Sie nichts selbst im Ausland und nehmen Sie keine Mischungen aus dem Urlaub weiter, deren Zutaten Sie nicht kennen.

Für die chinesische Arzneitherapie gibt es in Deutschland keine gesetzlich geregelte Ausbildung. Ein Heilpraktiker darf sie im Rahmen seiner Erlaubnis anbieten, eine Ärztin mit ihrer ärztlichen Zulassung. Fragen Sie deshalb nach Umfang und Abschluss der TCM-Ausbildung und danach, wie lange die Praxis mit Kräutern arbeitet. Die allgemeinen Merkmale, woran Sie eine seriöse Heilpraktikerpraxis erkennen, gelten auch für TCM-Praxen.

Wer die Kosten für TCM und Kräuter trägt

Die gesetzliche Krankenkasse zahlt von der TCM die Akupunktur, und nur bei chronischen Schmerzen im unteren Rücken und bei Knieschmerzen durch Arthrose. Sie zahlt nur, wenn ein Arzt mit Kassenzulassung nach den Regeln der Akupunktur auf Kassenkosten behandelt. Für chinesische Kräuter gilt: Nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel sind von der Versorgung durch die Kasse ausgeschlossen. Ausnahmen gelten für Kinder bis 12 Jahre und für Jugendliche bis 18 mit Entwicklungsstörungen.

Wer zahlt Ihre TCM-Behandlung?

Akupunktur bei chronischem Rücken- oder Knieschmerz, durchgeführt von einer Kassenärztin mit Genehmigung?

Ja

Die gesetzliche Kasse zahlt bis zu 10 Sitzungen in 6 Wochen.

Nein

Geht es um einen zertifizierten Qi-Gong- oder Tai-Chi-Kurs?

Ja

Die Kasse kann den Kurs bezuschussen. Die Höhe steht in ihrer Satzung.

Nein

Sind Sie privat versichert oder beihilfeberechtigt?

Ja

Die Erstattung richtet sich nach Ihrem Tarif oder nach den Regeln Ihrer Beihilfe.

Nein

Sie zahlen selbst: die Behandlung nach dem Honorar der Praxis und die Kräuter nach dem Preis der Apotheke.

Beamte sollten die Verordnung im Blick behalten. Die Beihilfe des Bundes erkennt Arzneimittel in der Regel nur an, wenn eine Ärztin oder ein Arzt sie verordnet hat. Die Leistungen des Heilpraktikers erkennt sie bis zu Höchstbeträgen an, für Akupunktur einschließlich Pulsdiagnose 23,00 Euro.

Was eine private Zusatzversicherung von Behandlung und Kräutern erstattet, hängt vom Tarif ab. Lesen Sie die Bedingungen, bevor Sie eine Rezeptur über mehrere Monate planen. Was eine Monatsrezeptur in der Apotheke kostet, hängt von der Mischung ab. Fragen Sie deshalb vor dem Kauf nach dem Preis.

Häufige Fragen

Was gehört zur Traditionellen Chinesischen Medizin außer Akupunktur?

Zur Traditionellen Chinesischen Medizin gehören nach Angabe des Fachverbands AGTCM fünf Verfahren: Akupunktur, Arznei- und Heilkräutertherapie, Ernährungstherapie, Qi Gong und die Massageform Tuina. Nicht jede Praxis bietet alle an. Qi Gong und Tai Chi kann die Krankenkasse als zertifizierten Präventionskurs bezuschussen.

Können chinesische Kräuter die Leber schädigen?

Chinesische Kräuter können die Leber schädigen. In einer Studie der ersten deutschen TCM-Klinik mit 21.470 Patienten stieg der Leberwert ALT bei 0,12 Prozent auf mindestens das Fünffache des Normwerts, bei 3,93 Prozent leicht bis mäßig. Bei den 26 Patienten mit den höchsten Werten normalisierten sich die Werte nach dem Absetzen. Bei Müdigkeit, Übelkeit, dunklem Urin oder gelber Haut gehen Sie sofort zum Arzt und nennen die Rezeptur.

Darf ein Heilpraktiker chinesische Kräuter verordnen?

Ein Heilpraktiker darf chinesische Kräuter im Rahmen seiner Erlaubnis empfehlen und in einer Apotheke zusammenstellen lassen. Verschreibungspflichtige Arzneimittel darf er nicht verordnen. In der TCM sind das zum Beispiel Ephedra-Arten (Ma Huang) zum Einnehmen und Zubereitungen aus Aconitum (Fu Zi), außer Salben. Dafür brauchen Sie ein ärztliches Rezept.

Zahlt die Krankenkasse eine chinesische Kräutertherapie?

Die gesetzliche Krankenkasse zahlt eine chinesische Kräutertherapie in der Regel nicht. Nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel sind von der Versorgung ausgeschlossen, Ausnahmen gelten nur für Kinder bis 12 Jahre und Jugendliche mit Entwicklungsstörungen. Private Zusatzversicherungen erstatten je nach Tarif. Die Beihilfe erkennt Arzneimittel in der Regel nur an, wenn sie ärztlich verordnet sind.

Warum sind Aristolochia-Kräuter in der TCM verboten?

Aristolochia-Kräuter sind verboten, weil Aristolochiasäure die Nieren schädigt und Krebs der Harnwege auslösen kann. In Belgien erkrankten nach 1990 Frauen einer Abnehmklinik an schwerem Nierenversagen, nachdem eine Zutat versehentlich durch Aristolochia fangchi ersetzt worden war. Von 39 untersuchten Betroffenen hatten 18 einen Tumor der Harnwege. In Deutschland widerrief das Bundesgesundheitsamt schon 1981 die Zulassungen, das BfArM erweiterte das Verbot 2010 auf Asarum-Arten.

Darf ich chinesische Kräuter im Internet aus China bestellen?

Arzneimittel aus China dürfen Sie in der Regel nicht selbst nach Deutschland bestellen. Ein Versand an Verbraucher ist nur aus Apotheken der EU und des Europäischen Wirtschaftsraums erlaubt. Ein zweiter Grund ist die Sicherheit: Eine deutsche Apotheke muss die Qualität der Zutaten sichern und in der Regel prüfen, ob es die richtige Pflanze ist. So fällt eine verwechselte Wurzel auf.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung zu § 48 AMG, Einträge Ephedra-Arten und Aconitum, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  2. § 73 Arzneimittelgesetz, Verbringungsverbot, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  3. § 11 Apothekenbetriebsordnung, Ausgangsstoffe, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  4. Bescheid vom 22. Juli 2010: Widerruf der Zulassungen für Arzneimittel mit Pflanzen der Familie Aristolochiaceae, Gattung Asarum, mit dem Bescheid des Bundesgesundheitsamtes vom 3. Juni 1981, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM),
  5. Nortier JL et al.: Urothelial carcinoma associated with the use of a Chinese herb (Aristolochia fangchi). N Engl J Med 2000;342:1686-1692, PMID 10841870, New England Journal of Medicine,
  6. Vanherweghem JL et al.: Rapidly progressive interstitial renal fibrosis in young women, association with slimming regimen including Chinese herbs. Lancet 1993;341:387-391, PMID 8094166, The Lancet,
  7. Melchart D et al.: Herbal Traditional Chinese Medicine and suspected liver injury, a prospective study. World J Hepatol 2017;9(29):1141-1157, PMID 29085558, World Journal of Hepatology,
  8. Teschke R et al.: Traditional Chinese Medicine and herbal hepatotoxicity, a tabular compilation of reported cases. Ann Hepatol 2015;14(1):7-19, PMID 25536637, Annals of Hepatology,
  9. § 34 SGB V, ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  10. § 22 Bundesbeihilfeverordnung, Arznei- und Verbandmittel, Medizinprodukte, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  11. Kriterien zur Zertifizierung von Präventionskursangeboten gemäß Kapitel 5 des Leitfadens Prävention, Stand 6. Januar 2026, Abschnitt zu Hatha Yoga, Tai Chi und Qigong, GKV-Spitzenverband,
  12. Was ist TCM: Akupunktur, Arznei- und Heilkräutertherapie, Ernährungstherapie, Qi Gong und Tuina, Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und TCM e.V. (AGTCM),

Einsatz von Sprachmodellen

Ein Sprachmodell hat die wiederkehrenden Sätze auf den Orts- und Praxisseiten formuliert, die Ratgeber mitgeschrieben und Quellen gesucht. Die Beitragsbilder der Ratgeber hat eine Bild-KI erzeugt, sie sind als KI-Bild gekennzeichnet. Anschrift, Kontaktwege und Öffnungszeiten der Praxen übernimmt ein festes Programm aus OpenStreetMap, ein Sprachmodell verändert sie nicht.

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Stand dieser Angaben: 26. September 2026.