Steht die Abschaffung des Heilpraktikerberufs bevor?
Nein. Stand 22. September 2026 ist kein Gesetzentwurf bekannt, der den Heilpraktikerberuf abschafft, umbaut oder einschränkt. Wer heute eine Erlaubnis hat, übt den Beruf unverändert aus. Die Debatte über eine Reform ist alt, hat aber bisher zu keinem Gesetz geführt.
Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD aus dem Frühjahr 2025 nennt den Heilpraktikerberuf nicht ausdrücklich. Er will Forschung und Versorgung in Naturheilkunde und Integrativer Medizin zur Vorbeugung unterstützen. Für die Osteopathie kündigt er eine eigene gesetzliche Regelung an.
Warum wird über den Heilpraktikerberuf gestritten?
Der Auslöser waren drei Todesfälle. 2016 starben in Nordrhein-Westfalen drei Patienten in der Praxis eines Heilpraktikers, nachdem er ihnen ein nicht geprüftes Mittel in zu hoher Dosis gegeben hatte. Danach begann eine bundesweite Debatte über den Beruf.
2018 beantragte die Hamburger Gesundheitsbehörde bei der Gesundheitsministerkonferenz der Länder eine Reform. Sie sah eine zwingende Reformbedürftigkeit und schlug eine Arbeitsgruppe von Bund und Ländern vor, die bis 2019 eine grundlegende Neuregelung prüfen sollte. Hamburg hielt die bisherigen Änderungen nicht für ausreichend. Der Bund hatte vor allem die Prüfung der Heilpraktikeranwärter bundesweit vereinheitlichen lassen.
2016
Drei Patienten sterben in Nordrhein-Westfalen nach einer Überdosis in der Praxis eines Heilpraktikers. Die Debatte über den Beruf beginnt.
2018
Im März treten bundesweite Regeln für die Prüfung der Anwärter in Kraft. Hamburg beantragt bei der Gesundheitsministerkonferenz eine Reform.
2021
Ein Rechtsgutachten für das Bundesgesundheitsministerium sieht keine ausreichende Grundlage für eine Abschaffung.
2023 bis 2024
Im Auftrag des Ministeriums untersucht die Firma in vivo den Berufsstand. Der Abschlussbericht ist am 8. November 2024 fertig.
Frühjahr 2025
Der Koalitionsvertrag nennt den Heilpraktikerberuf nicht ausdrücklich.
Ende 2025
Das Ministerium veröffentlicht das Gutachten. Es beschreibt den Beruf und empfiehlt keine Reform.
Was sagt das Rechtsgutachten von 2021 zur Abschaffung?
Das Bundesgesundheitsministerium ließ das Heilpraktikerrecht von Professor Christof Stock untersuchen. Das Gutachten stammt vom 21. April 2021 und hat 308 Seiten. Es sollte klären, welchen Spielraum der Bundesgesetzgeber bei einer Reform hätte. Das Ministerium nennt es die Grundlage für eine ergebnisoffene Diskussion. Es wollte sich zuerst mit den Ländern austauschen und danach die Verbände einbeziehen.
Das Ergebnis zur Abschaffung ist klar. Nach dem Gutachten gibt es dafür derzeit weder eine ausreichende Tatsachengrundlage noch eine ausreichende Rechtsgrundlage. Ein Verbot wäre ein schwerer Eingriff in die Berufsfreiheit. Der wäre nur gerechtfertigt, um nachweisbare oder sehr wahrscheinliche schwere Gefahren abzuwehren, und nur, wenn kein milderes Mittel reicht. Solche Umstände liegen laut Gutachten nicht vor.
Der Gutachter empfiehlt stattdessen eine Neuregelung. Der Begriff Heilkunde, also das Feststellen, Heilen und Lindern von Krankheiten, soll neu gefasst werden. Es soll zwischen ärztlicher Heilkunde, der Heilkunde einzelner Gesundheitsberufe wie der Physiotherapie und der Alternativheilkunde unterschieden werden. Alternativheilkunde meint Behandlungen außerhalb der Schulmedizin. Dazu soll ein neuer, staatlich anerkannter Heilpraktikerberuf entstehen, der nur die Alternativheilkunde umfasst. Diese Empfehlungen stammen vom Gutachter, nicht vom Ministerium.
Was zeigt das Gutachten von 2025 über Heilpraktiker?
Dem Ministerium fehlten verlässliche Zahlen zum Berufsstand. Deshalb beauftragte es im Mai 2023 ein zweites Gutachten. Die Firma in vivo befragte Heilpraktiker, Heilpraktikerschulen, Berufsverbände und Gesundheitsämter online, schriftlich und in Interviews. Der Abschlussbericht hat 334 Seiten und ist vom 8. November 2024. Das Ministerium hat ihn Ende 2025 veröffentlicht.
Das Gutachten beschreibt und zählt, es empfiehlt keine Reform. Eine Analyse der Erfolge und Risiken der Behandlungsmethoden war wegen der Datenlage nicht möglich. Es hält aber fest: Die Zusammenarbeit von Heilpraktikern und Ärzten wird durch rechtliche Vorgaben erschwert. Nach den Berufsregeln der Ärztekammern dürfen Ärzte mit Angehörigen anderer Fachberufe keine gemeinsame medizinische Verantwortung tragen. Sie müssen die Verantwortungsbereiche klar abgrenzen.
Die Praxiszahl ist eine Hochrechnung für 2022. Bei den Strafverfahren zählt die Statistik alle Verfahren im Zusammenhang mit dem Gesetz zum Beruf. Sie zeigt nicht, ob die Betroffenen eine Erlaubnis hatten.
Was steht im Koalitionsvertrag zu Heilpraktikern?
Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD nennt den Heilpraktikerberuf nicht ausdrücklich. Er enthält aber drei Vorhaben, die das Umfeld des Berufs betreffen.
- Forschung und Versorgung in Naturheilkunde und Integrativer Medizin sollen zur Vorbeugung gefördert werden.
- Für die Osteopathie ist eine eigene gesetzliche Regelung angekündigt. Ein Gesetzentwurf dazu ist bisher nicht bekannt.
- Für Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie sind eigene Reformen vorgesehen.
Welche 3 Reformoptionen liegen seit 2018 auf dem Tisch?
Der Hamburger Antrag von 2018 nannte drei Wege. Keiner davon hat bisher zu einem Gesetz geführt.
| Option | Was sie bedeuten würde | Stand |
|---|---|---|
| Abschaffung des Berufs | Wer keine ärztliche Zulassung hat, dürfte keine Kranken mehr behandeln. | Das Rechtsgutachten von 2021 fand keine ausreichende Grundlage. Kein Gesetzentwurf bekannt. |
| Mehr Tätigkeiten nur für Ärzte und andere akademische Gesundheitsberufe | Einzelne Behandlungen dürften nur noch Ärzte oder bestimmte Fachberufe ausführen. | Keine Gesetzesinitiative bekannt. |
| Beschränkung auf bestimmte Krankheiten | Die Erlaubnis würde auf weniger riskante Beschwerden begrenzt. | Keine Gesetzesinitiative bekannt. |
Wie prüfen Sie den Stand der Reform selbst?
Der Stand kann sich jederzeit ändern. Vor einer wichtigen Entscheidung lohnt sich deshalb ein eigener Blick in die Quellen, zum Beispiel vor einer Ausbildung zum Heilpraktiker. Wer über den Beruf nachdenkt, findet den Weg unter wie man Heilpraktiker wird.
- Schauen Sie auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums nach neuen Gutachten oder Eckpunktepapieren zum Recht der Heilpraktiker.
- Suchen Sie im Informationssystem des Bundestags für Parlamentsmaterialien nach Drucksachen zum Stichwort Heilpraktiker.
- Lesen Sie die Meldungen der großen Berufsverbände, etwa des Bund Deutscher Heilpraktiker oder des Verbands Unabhängiger Heilpraktiker. Sie berichten über Gesetzesvorhaben.
- Sehen Sie in die Tagesordnungen und Beschlüsse der Gesundheitsministerkonferenz der Länder. Reforminitiativen tauchen dort oft zuerst auf.
- Vergleichen Sie jedes Datum mit der aktuellen Fassung des Gesetzes auf gesetze-im-internet.de, bevor Sie sich auf eine ältere Quelle verlassen.
Welche Grenzen für Heilpraktiker heute gelten, steht unter was Heilpraktiker dürfen und was nicht.
Häufige Fragen
Ist es aktuell strafbar oder illegal, als Heilpraktiker zu arbeiten?
Nein, mit gültiger Erlaubnis ist die Arbeit als Heilpraktiker legal. Stand 22. September 2026 ist kein Gesetzentwurf bekannt, der das ändern würde. Ohne Erlaubnis Kranke zu behandeln ist dagegen strafbar.
Was hat das Rechtsgutachten von 2021 zur Abschaffung des Heilpraktikerberufs ergeben?
Das Rechtsgutachten von Professor Christof Stock vom April 2021 fand für eine Abschaffung des Heilpraktikerberufs weder eine ausreichende Tatsachen- noch eine ausreichende Rechtsgrundlage. Der Gutachter empfiehlt stattdessen eine Neuregelung mit einem neuen, staatlich anerkannten Heilpraktikerberuf für Alternativheilkunde. Diese Empfehlung stammt vom Gutachter, nicht vom Ministerium.
Enthält das Gutachten von 2025 eine Empfehlung zur Reform?
Nein, das empirische Gutachten von 2025 beschreibt den Beruf, ohne eine Reform zu empfehlen. Es erhebt Zahlen zu Berufsstand, Ausbildung, Berufsausübung und Patientensicherheit. Das Bundesgesundheitsministerium schreibt dazu, es sei eine vertiefte Prüfung nötig.
Was sagt der Koalitionsvertrag 2025 zu Heilpraktikern?
Der Koalitionsvertrag von 2025 nennt den Heilpraktikerberuf nicht ausdrücklich. Er kündigt an, Forschung und Versorgung in Naturheilkunde und Integrativer Medizin zur Vorbeugung zu fördern, und er kündigt ein eigenes Gesetz für die Osteopathie an.
Wurde die Prüfung zum Heilpraktiker inzwischen bundesweit vereinheitlicht?
Teilweise. Seit 2018 gibt es bundesweit einheitliche Vorgaben für die Prüfung von Heilpraktikeranwärtern. Eine staatlich geregelte Ausbildung gibt es weiterhin nicht. Die Länder führen die Prüfungen selbst durch.
