Worin sich Osteopathie, Chiropraktik und Manuelle Therapie unterscheiden
Alle drei Verfahren arbeiten mit den Händen, sie unterscheiden sich aber in Technik und Ziel. Zwei Begriffe helfen beim Vergleich. Bei der Mobilisation bewegt die Behandlerin ein Gelenk sanft und mit langsam zunehmendem Druck. Bei der Manipulation setzt sie einen kurzen Impuls mit geringer Kraft, kleinem Weg und hoher Geschwindigkeit. Dabei kann es im Gelenk knacken.
Die Osteopathie geht auf den amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still zurück. Sie hat drei Teilbereiche: einen für Muskeln und Gelenke, einen für die inneren Organe und einen für Schädel und Kreuzbein. Impulsgriffe spielen in der Osteopathie nach der Bundesärztekammer eine vergleichsweise kleine Rolle. Die Chiropraktik konzentriert sich auf Wirbelsäule und Gelenke. Nach Angabe der Deutschen Chiropraktoren-Gesellschaft arbeitet sie mit gezielten Impulsen, mit denen Gelenke justiert werden.
Die Manuelle Therapie gehört zur Physiotherapie. Nach der Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses dient sie dazu, Gelenk- und Muskelfunktion wiederherzustellen und Schmerzen zu lindern, mit gezielter Mobilisation ohne Impuls oder mit Techniken an Muskeln und Bindegewebe. Zur Behandlung gehört ein Übungsprogramm für zu Hause. Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Manuelle Medizin, die auch Chirotherapie heißen darf, dürfen dagegen auch manipulieren.
Auch die Ausbildung unterscheidet sich stark. Für Osteopathen verlangen die großen Verbände mindestens 1.350 Unterrichtsstunden. Chiropraktoren studieren nach Angabe ihrer Gesellschaft in der Regel 4 bis 6 Jahre. Physiotherapeuten brauchen für Manuelle Therapie auf Kassenkosten mindestens 260 Unterrichtseinheiten Weiterbildung, Ärzte für die Zusatzbezeichnung Manuelle Medizin 320 Stunden Kurse.
| Merkmal | Osteopathie | Chiropraktik | Manuelle Therapie | Manuelle Medizin (Chirotherapie) |
|---|---|---|---|---|
| Womit wird behandelt | Hände an Bewegungsapparat, Organen und Schädel, selten mit Impuls | Gezielte Impulse an Wirbelsäule und Gelenken | Sanfte Griffe ohne Impuls, Techniken an Muskeln und Bindegewebe, Übungen | Mobilisation, Manipulation und Übungen |
| Wer darf behandeln | Ärzte und Heilpraktiker | Ärzte und Heilpraktiker | Physiotherapeuten mit Zertifikat, auf ärztliche Verordnung | Fachärzte mit Zusatzbezeichnung |
| Ausbildung | Gesetzlich nicht geregelt, große Verbände verlangen mindestens 1.350 Stunden | Gesetzlich nicht geregelt, ein Studium dauert nach der Chiropraktoren-Gesellschaft 4 bis 6 Jahre | Mindestens 260 Unterrichtseinheiten Weiterbildung | 320 Stunden Kurse |
| Wer zahlt | Sie selbst, teils Zuschuss der Kasse | Sie selbst, private Versicherung nach Tarif | Krankenkasse abzüglich Zuzahlung | Krankenkasse als ärztliche Leistung |
Wer welches Verfahren anbieten darf
Osteopathie und Chiropraktik gelten als Heilkunde und sind deshalb Ärzten und Heilpraktikern vorbehalten. Für die Osteopathie hat das Oberlandesgericht Düsseldorf das 2015 entschieden. Für die Chiropraktik schreibt die Deutsche Chiropraktoren-Gesellschaft, dass in Deutschland nur Heilpraktiker und Ärzte chiropraktische Techniken anwenden dürfen. Deshalb brauchen auch Chiropraktoren mit abgeschlossenem Studium zusätzlich eine Heilpraktikererlaubnis. Die Manuelle Therapie dürfen Physiotherapeuten dagegen ohne Heilpraktikererlaubnis erbringen, aber nur auf ärztliche Verordnung.
Die Weltgesundheitsorganisation nennt in ihren Empfehlungen zur Chiropraktik von 2005 mindestens 4.200 Kontaktstunden, davon mindestens 1.000 Stunden betreute Praxis.
- Ein Chiropraktor hat ein mehrjähriges Chiropraktik-Studium abgeschlossen. Nach der Chiropraktoren-Gesellschaft ist ein Chiropraktiker noch kein Chiropraktor, weil Kurse von wenigen Tagen oder Wochen nur einen oberflächlichen Einblick geben. Beide Bezeichnungen sind nicht gesetzlich geregelt, weil Chiropraktik in Deutschland kein eigener Heilberuf ist.
- Für die Manuelle Therapie verlangt der Vertrag zwischen Kassen und Physiotherapeuten mindestens 260 Unterrichtseinheiten zu 45 Minuten mit Abschlussprüfung. Erst mit diesem Zertifikat darf eine Praxis Manuelle Therapie mit der Kasse abrechnen.
- Ärztinnen und Ärzte erwerben die Zusatzbezeichnung Manuelle Medizin mit Facharztanerkennung und 320 Stunden Kurs-Weiterbildung, davon 120 Stunden Grundkurs und 200 Stunden Aufbaukurs.
Für die Osteopathie verlangen die großen Verbände mindestens 1.350 Unterrichtsstunden. Was Kürzel wie D.O. über die Qualifikation von Osteopathen verraten, ist begrenzt. Sie sagen etwas über die Ausbildung, ersetzen aber keine Erlaubnis.
Was Sie bei welchem Verfahren selbst zahlen
Welche Kosten auf Sie zukommen, hängt davon ab, wer behandelt und auf welcher Grundlage. Manuelle Therapie auf ärztliche Verordnung zahlt die gesetzliche Krankenkasse, Sie tragen nur die gesetzliche Zuzahlung. Chirotherapie beim Kassenarzt gehört zur ärztlichen Behandlung. Der Arzt braucht dafür eine Genehmigung seiner Kassenärztlichen Vereinigung.
Osteopathie und Chiropraktik beim Heilpraktiker zahlen Sie selbst. Die Preisliste der Heilpraktikerverbände nennt für eine chiropraktische Behandlung 10,50 bis 18,00 Euro und für einen gezielten Eingriff an der Wirbelsäule 15,40 bis 19,00 Euro. Für die Behandlung der Schultergelenke in der Osteopathie sind es 15,40 bis 26,00 Euro. Die Liste wurde 1985 herausgegeben und 2002 auf Euro umgestellt. Sie ist unverbindlich, das Honorar ist frei vereinbar. Die Beihilfe des Bundes für Beamte zahlt höchstens 4,00 Euro für die chiropraktische Behandlung, 17,00 Euro für den gezielten Eingriff und 21,00 Euro für die Schultergelenke.
| Leistung | Preisliste für Heilpraktiker | Beihilfe höchstens |
|---|---|---|
| Chiropraktische Behandlung oder Wirbelsäulenmobilisierung | 10,50 bis 18,00 Euro | 4,00 Euro |
| Gezielter chiropraktischer Eingriff an der Wirbelsäule | 15,40 bis 19,00 Euro | 17,00 Euro |
| Osteopathische Behandlung der Schultergelenke | 15,40 bis 26,00 Euro | 21,00 Euro |
Für die Osteopathie kommt bei einigen Kassen ein Zuschuss dazu, bei der Techniker Krankenkasse zum Beispiel 40 Euro je Sitzung für höchstens drei Sitzungen im Jahr.
Welchen Weg zur manuellen Behandlung Sie nehmen können
Die Wahl zwischen den Verfahren ist zuerst eine Frage des Zugangs und der Kosten. Ob eines davon bei Ihren Beschwerden hilft, kann nur eine ärztliche Untersuchung klären. Ärztliche Behandlungsempfehlungen zu Rücken- und Nackenschmerzen halten manuelle Techniken für möglich, empfehlen aber Bewegung und Aktivität stärker.
Haben Sie eine ärztliche Verordnung für Manuelle Therapie?
Suchen Sie eine Physiotherapiepraxis mit Zertifikat für Manuelle Therapie. Die Kasse zahlt, Sie tragen die Zuzahlung.
Bietet Ihre Hausarzt- oder Orthopädiepraxis Chirotherapie als Kassenleistung an?
Die Behandlung läuft über Ihre Versichertenkarte als ärztliche Leistung. Fragen Sie, ob ein Impulsgriff an der Halswirbelsäule geplant ist.
Sind Sie bereit, die Behandlung selbst zu zahlen?
Osteopathie oder Chiropraktik bei einem Heilpraktiker oder in einer Arztpraxis kommen infrage. Prüfen Sie Erlaubnis und Ausbildung und fragen Sie Ihre Kasse nach einem Zuschuss zur Osteopathie.
Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin über Behandlungen, die die Kasse trägt, etwa Physiotherapie oder Bewegungsprogramme.
5 Fragen vor der manuellen Behandlung
Praxisnamen und Schilder mischen die Begriffe oft. Eine Praxis für Osteopathie und Chiropraktik kann eine Physiotherapiepraxis mit Heilpraktikererlaubnis sein, eine Heilpraktikerpraxis mit kurzer Fortbildung oder eine Arztpraxis mit Zusatzbezeichnung. Fünf Fragen klären, was Sie bekommen.
- Fragen Sie, mit welcher Befugnis behandelt wird: ärztliche Zulassung, Heilpraktikererlaubnis oder Verordnung für Physiotherapie.
- Fragen Sie nach der Ausbildung im jeweiligen Verfahren: Studium der Chiropraktik, Osteopathie-Ausbildung mit Stundenzahl, Zertifikat für Manuelle Therapie oder Zusatzbezeichnung Manuelle Medizin.
- Fragen Sie, welche Techniken geplant sind und ob ein Impulsgriff an der Halswirbelsäule dazugehört. Sie dürfen diese Technik ablehnen.
- Fragen Sie, wie abgerechnet wird: über die Kasse, nach der Preisliste für Heilpraktiker oder nach der Gebührenordnung für Ärzte. Lassen Sie sich die Beträge, die Sie selbst zahlen, vorher schriftlich nennen. Darauf haben Sie ein Recht.
- Fragen Sie Ihre Krankenkasse oder Ihren Versicherer vor dem ersten Termin, ob und in welcher Höhe sie die Behandlung erstatten.
Warum die Kasse Osteopathie und Chiropraktik meist nicht zahlt
Chiropraktik und Osteopathie stehen nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung. Sie gehören nicht zu den Behandlungen, die der Gemeinsame Bundesausschuss in seiner Heilmittel-Richtlinie festlegt, und Heilpraktiker können nicht mit den gesetzlichen Kassen abrechnen. Die Kasse zahlt manuelle Behandlungen deshalb nur in zwei Formen: als Manuelle Therapie durch Physiotherapeuten und als Chirotherapie durch Vertragsärzte mit Genehmigung.
Für die Osteopathie gibt es einen dritten Weg. Das Gesetz erlaubt den Kassen, in ihrer Satzung zusätzliche Leistungen auch von nicht zugelassenen Behandlern vorzusehen. Die Satzung ist das eigene Regelwerk der Kasse. Einige Kassen nutzen das für einen Zuschuss zur Osteopathie, etwa die Techniker Krankenkasse mit 40 Euro für höchstens drei Sitzungen im Jahr. Ob Ihre Kasse auch andere Verfahren bezuschusst, steht in ihrer Satzung. Private Zusatzversicherungen erstatten Chiropraktik und Osteopathie nach Tarif.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Osteopathie und Chiropraktik?
Osteopathie behandelt mit den Händen Bewegungsapparat, innere Organe und Schädel und setzt Impulsgriffe nach der Bundesärztekammer vergleichsweise selten ein. Chiropraktik konzentriert sich auf Wirbelsäule und Gelenke und arbeitet mit gezielten Impulsen. Beide dürfen in Deutschland nur Ärzte und Heilpraktiker anbieten, und beide zahlen Sie überwiegend selbst.
Was ist der Unterschied zwischen Manueller Therapie und Osteopathie?
Manuelle Therapie ist eine Behandlung der Physiotherapie mit sanften Griffen ohne Impuls und Techniken an Muskeln und Bindegewebe, die die Krankenkasse auf ärztliche Verordnung bezahlt. Osteopathie ist Heilkunde, die nur Ärzte und Heilpraktiker ausüben dürfen, und keine Kassenleistung. Für Manuelle Therapie verlangt der Kassenvertrag 260 Unterrichtseinheiten Weiterbildung, für Osteopathie gibt es keinen gesetzlichen Standard.
Ist ein Chiropraktiker dasselbe wie ein Chiropraktor?
Nein, ein Chiropraktiker ist nicht dasselbe wie ein Chiropraktor. Ein Chiropraktor hat nach Angabe der Deutschen Chiropraktoren-Gesellschaft ein Studium von in der Regel vier bis sechs Jahren abgeschlossen. Ein Chiropraktiker ist noch kein Chiropraktor, weil Kurse von wenigen Tagen oder Wochen nur einen oberflächlichen Einblick geben. Behandeln darf in Deutschland nur, wer eine Heilpraktikererlaubnis oder eine ärztliche Zulassung hat.
Zahlt die Krankenkasse Chiropraktik?
Die gesetzliche Krankenkasse zahlt Chiropraktik beim Heilpraktiker nicht. Sie zahlt die ärztliche Chirotherapie, wenn ein Vertragsarzt mit Genehmigung seiner Kassenärztlichen Vereinigung behandelt, und Manuelle Therapie in der Physiotherapie auf ärztliche Verordnung. Private Versicherungen erstatten Chiropraktik nach Tarif, die Beihilfe des Bundes höchstens 17,00 Euro für einen gezielten Eingriff an der Wirbelsäule.
Was kostet eine chiropraktische Behandlung beim Heilpraktiker?
Eine chiropraktische Behandlung beim Heilpraktiker ist frei vereinbar. Die Preisliste der Heilpraktikerverbände nennt als Orientierung 10,50 bis 18,00 Euro für eine chiropraktische Behandlung und 15,40 bis 19,00 Euro für einen gezielten Eingriff an der Wirbelsäule. Die Praxis muss Ihnen die voraussichtlichen Kosten vor Beginn schriftlich nennen, zum Beispiel per E-Mail.
