Warum es keine Liste erlaubter Methoden gibt
Das Gesetz über den Beruf der Psychotherapeuten bindet nur Psychotherapeuten mit staatlicher Zulassung an Methoden, deren Wirkung wissenschaftlich geprüft und anerkannt ist. Für Heilpraktiker gibt es keine vergleichbare Vorschrift. Das Gesundheitsamt prüft vor der Erlaubnis nur, ob von der Person eine Gefahr ausgeht, und schreibt keine Therapierichtung vor. Deshalb darf ein Heilpraktiker für Psychotherapie jede Methode anwenden, die er beherrscht, auch eine, die noch nie wissenschaftlich anerkannt wurde.
Bei einem Heilpraktiker für Psychotherapie liegt die Verantwortung für die Wahl der Methode ganz bei der Praxis. Bei Psychotherapeuten mit Zulassung ist die Wirkung der Methode vorher in Studien geprüft worden. Beim Heilpraktiker tragen dagegen die eigene Ausbildung und Erfahrung die Methode. Wie er sie gelernt hat, ist nicht geregelt, und die Überprüfung beim Gesundheitsamt fragt das nicht ab.
Was bedeutet wissenschaftlich anerkannt bei Therapiemethoden?
Ein Fachgremium der Berufsvertretungen von Ärzten und Psychotherapeuten prüft, ob Studien die Wirkung einer Therapiemethode belegen. Es heißt Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie. Der Beirat teilt die Beschwerden in Bereiche ein, zum Beispiel Depressionen oder Angststörungen, und prüft jeden Bereich einzeln. Für die Anerkennung eines Bereichs braucht es mindestens drei unabhängige, sorgfältig gemachte Studien, die die Wirkung zeigen.
Fachleute sprechen statt von Methoden auch von Verfahren. Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und analytische Psychotherapie bezahlt die gesetzliche Krankenkasse bei Praxen, die mit ihr abrechnen dürfen (Kassenzulassung). Dazu kam die Systemische Therapie, für Erwachsene seit 2020 und für Kinder und Jugendliche seit 2024. Diese von den Kassen bezahlten Verfahren heißen Richtlinienverfahren. Die Hypnosetherapie, im Gutachten Hypnotherapie genannt, hat der Beirat 2006 nur für 2 von 12 Bereichen bei Erwachsenen anerkannt. EMDR, eine Methode zur Behandlung von Traumafolgen, gilt bei Erwachsenen seit 2006 und bei Kindern und Jugendlichen seit 2026 als anerkannt.
| Methode | Stand der Prüfung |
|---|---|
| Verhaltenstherapie | Kassenleistung |
| Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie | Kassenleistung |
| Analytische Psychotherapie | Kassenleistung |
| Systemische Therapie | Kassenleistung für Erwachsene seit 2020, für Kinder und Jugendliche seit 2024 |
| Hypnosetherapie | Bei Erwachsenen für 2 von 12 Bereichen anerkannt, bei Kindern und Jugendlichen für keinen |
| EMDR bei Traumafolgen | Anerkannt bei Erwachsenen seit 2006, bei Kindern und Jugendlichen seit 2026 |
Was bedeutet das für die Wahl eines Heilpraktikers?
Weil Heilpraktiker nicht an die Prüfung des Beirats gebunden sind, dürfen sie auch Methoden einsetzen, die noch keine oder nur eine eingeschränkte Anerkennung haben. Fehlende Anerkennung sagt nichts darüber, ob die einzelne Praxis gut arbeitet. Meist bedeutet sie nur, dass es nicht genug gute Studien gibt. Das ist kein Beweis, dass die Methode nicht wirkt.
Selbst bei einer anerkannten Methode zahlt die Kasse beim Heilpraktiker für Psychotherapie nichts. Sie bezahlt nur Praxen mit Kassenzulassung, ganz gleich, welche Methode sie nutzen.
- Welche Methode wenden Sie an, und wo haben Sie diese gelernt?
- Ist die Methode anerkannt, und wenn ja, für welche Beschwerden?
- Wie lange dauerte Ihre Ausbildung in dieser Methode, und besprechen Sie Ihre Fälle regelmäßig mit erfahrenen Kollegen?
- Was tun Sie, wenn die Methode nach einigen Sitzungen nicht hilft?
Was darf die Praxis über ihre Methode versprechen?
Die freie Methodenwahl erlaubt keine Übertreibung. Das Werberecht verbietet Werbung, die einen sicheren Erfolg verspricht oder eine Wirkung behauptet, die die Methode nicht hat. Die Regeln der großen Berufsverbände verbieten Heilungsversprechen ebenfalls. Außerdem muss die Praxis Sie vor der Behandlung verständlich über die Methode, ihre Risiken und Erfolgsaussichten aufklären und Alternativen nennen. Wer das ernst nimmt, sagt Ihnen offen, wenn eine Methode für Ihr Anliegen nur wenig untersucht ist.
Wie wählt ein Heilpraktiker die passende Methode aus?
Eine sorgfältige Praxis begründet ihre Wahl nachvollziehbar und arbeitet nicht mit demselben Standard für jedes Anliegen.
Gespräch über Ihre Krankengeschichte
Die Praxis fragt nach Beschwerden, Vorgeschichte und bisherigen Behandlungen, damit keine körperliche Ursache übersehen wird.
Ziele klären
Sie legen gemeinsam fest, was die Behandlung erreichen soll, zum Beispiel weniger Angst in bestimmten Situationen.
Methode begründen
Die Praxis erklärt, welche Methode sie für dieses Ziel einsetzt und warum, auch ob die Methode anerkannt ist.
Alternativen nennen
Sie erfahren, wenn eine anerkannte Methode bei einer Psychotherapeutin mit Kassenzulassung infrage käme.
Zwischenbilanz ziehen
Nach einer vereinbarten Zahl von Sitzungen wird geprüft, ob die Methode wirkt. Wirkt sie nicht, wechselt die Praxis die Methode oder beendet die Behandlung.
Wie prüfe ich, ob eine Methode anerkannt ist?
Der Beirat veröffentlicht seine Gutachten frei im Internet. Die Recherche dauert nur wenige Minuten.
- Notieren Sie sich den genauen Namen der Methode, den die Praxis genannt hat.
- Suchen Sie diesen Namen auf wbpsychotherapie.de in der Liste der abgeschlossenen Gutachten.
- Öffnen Sie das Gutachten und lesen Sie, für welche Beschwerden und Altersgruppen die Anerkennung gilt.
- Fragen Sie die Praxis, ob Ihr Anliegen zu diesen Beschwerden gehört.
Häufige Fragen
Darf ein Heilpraktiker für Psychotherapie jede beliebige Methode anwenden?
Ja, ein Heilpraktiker für Psychotherapie darf jede Methode anwenden, die er sicher beherrscht, weil das Gesetz keine Methodenliste vorschreibt. Er muss dabei sorgfältig arbeiten, Sie vorher aufklären und darf keine Erfolge versprechen, die die Methode nicht belegt hat.
Was bedeutet es, wenn eine Methode vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie anerkannt ist?
Eine Anerkennung durch den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie bedeutet, dass genügend gute Studien die Wirkung der Methode für bestimmte Beschwerden belegen. Sie entscheidet mit darüber, ob eine Methode Grundlage der Ausbildung zur Psychotherapeutin wird und ob die gesetzliche Krankenkasse sie bezahlt. Heilpraktiker bindet sie rechtlich nicht.
Ist Hypnosetherapie eine anerkannte Therapiemethode?
Hypnosetherapie ist nur teilweise anerkannt. Der Beirat hat sie 2006 bei Erwachsenen nur für 2 von 12 Bereichen anerkannt, nämlich für seelische Faktoren bei körperlichen Krankheiten und, eingeschränkt, für Raucherentwöhnung und Methadonentzug. Für Kinder und Jugendliche gilt sie in keinem Bereich als anerkannt.
Woran erkenne ich, welche Methode ein Heilpraktiker für Psychotherapie anwendet?
Fragen Sie im Erstgespräch ausdrücklich nach dem Namen der Methode und nach der Ausbildung darin. Eine seriöse Praxis nennt die Methode konkret und erklärt, wofür sie belegt ist. Die Angabe Psychotherapie allein genügt nicht.
Zahlt die Krankenkasse für Systemische Therapie?
Ja, aber nur bei Ärzten und Psychotherapeuten mit Kassenzulassung und passender Weiterbildung. Die gesetzliche Krankenkasse bezahlt Systemische Therapie für Erwachsene seit 2020 und für Kinder und Jugendliche seit 2024. Bei einem Heilpraktiker für Psychotherapie zahlt sie nicht, auch wenn er dieselbe Methode nutzt.
