Homöopathie, Komplexmittel und Schüßler-Salze im Überblick
Klassische Homöopathie, Komplexmittel und Schüßler-Salze stehen oft im selben Apothekenregal, beruhen aber auf verschiedenen Annahmen. Gemeinsam ist ihnen die Herstellung: Sie werden schrittweise verdünnt, verschüttelt oder mit Milchzucker verrieben. In aller Regel gelten alle drei rechtlich als homöopathische Arzneimittel.
Unter den zugelassenen homöopathischen Arzneimitteln hatten im Mai 2026 100 einen Wirkstoff und 934 mehrere. Unter den registrierten waren es 1.572 mit einem Wirkstoff und 1.437 mit mehreren.
| Merkmal | Klassische Homöopathie | Komplexmittel | Schüßler-Salze |
|---|---|---|---|
| Grundidee | Ähnlichkeitsprinzip, Mittel passend zum ganzen Menschen | homöopathisch hergestellte Mischung, gewählt nach der Beschwerde | Ausgleich eines angenommenen Mangels an Mineralsalzen, ohne Ähnlichkeitsprinzip |
| Wirkstoffe je Mittel | einer | mehrere | ein Mineralsalz; 12 Grundsalze, später 15 Ergänzungsmittel |
| Wer das Mittel auswählt | die Behandlerin nach einem Erstgespräch von mindestens einer Stunde | bei zugelassenen Mitteln das Anwendungsgebiet auf der Packung | Käufer selbst oder nach Beratung; die Krankenkasse Barmer rät zu ärztlicher oder pharmazeutischer Beratung |
| Übliche Verdünnungen | D, C und Q, auch C30 oder C200 | je Bestandteil auf der Packung angegeben | meist D6 oder D12 |
| Zahl im Handel, Mai 2026 | Mittel mit einem Wirkstoff: 100 zugelassene und 1.572 registrierte | Mittel mit mehreren Wirkstoffen: 934 zugelassene und 1.437 registrierte | in der Statistik nicht getrennt ausgewiesen |
| Studienlage | 3 von 32 Studien zu individuell verordneter Homöopathie verlässlich, allenfalls kleiner, unsicherer Vorteil | 3 von 75 Studien zu nicht individuell verordneter Homöopathie verlässlich, kein Unterschied zu Placebo | keine Wirksamkeitsstudien |
Mittel mit einem Wirkstoff heißen Monopräparate, Mittel mit mehreren Kombinationspräparate. Unter den zugelassenen homöopathischen Arzneimitteln sind 934 von 1.034 Mischungen.
Klassische Homöopathie gibt nur ein einziges Mittel
Klassische Homöopathie heißt, dass immer nur ein einziges, einzeln ausgewähltes Mittel gegeben wird. Samuel Hahnemann hielt es in seinem Hauptwerk für unzulässig, mehr als eine einfache Arzneisubstanz auf einmal zu geben. Der Verband klassischer Homöopathen Deutschlands beschreibt klassische Homöopathie bis heute als Anwendung stark verdünnter Einzelmittel nach dem Ähnlichkeitsprinzip.
Das Einzelmittel wird nicht nach der Diagnose ausgesucht, sondern nach dem Gesamtbild der Beschwerden. Zwei Menschen mit derselben Diagnose können deshalb verschiedene Mittel bekommen. Fachleute nennen das individualisierte Homöopathie. Dafür braucht es ein langes homöopathisches Erstgespräch. Das Mittel selbst trägt auf der Packung eine Angabe wie D12 oder C30.
Komplexmittel mischen mehrere Wirkstoffe
Ein Komplexmittel enthält mehrere homöopathische Wirkstoffe in einem Präparat. Das Gesetz erlaubt das ausdrücklich. Für eine Zulassung muss der Hersteller begründen, dass jeder Wirkstoff einen Beitrag zur positiven Beurteilung leistet.
Wer ein Komplexmittel nach dem Anwendungsgebiet auf der Packung nimmt, bekommt dasselbe Mittel wie alle anderen mit dieser Beschwerde. Fachleute sprechen dann von nicht individualisierter Homöopathie. Klassische Homöopathen lehnen solche Mischungen ab. Die Auswertung von Mathie und Kollegen von 2017 fand in 75 Studien nur drei verlässliche, und diese zeigten zusammen keinen Unterschied zu Placebo.
- Die Packung nennt mehrere lateinische Namen, jeden mit eigener Verdünnungsangabe.
- Manche Mittel tragen einen Markennamen. Er darf die Bezeichnung der Ausgangsstoffe nur ergänzen.
- Steht ein Anwendungsgebiet auf der Packung, ist das Mittel zugelassen. Ohne Anwendungsgebiet ist es registriert.
- Die Zulassung stützt sich bei homöopathischen Mitteln nach Angaben des BfArM bisher nie auf eine Studie, sondern auf anderes Material wie Übersichten und Literatur.
- Nicht verwechseln: Anthroposophische Arzneimittel sind eine eigene Therapierichtung mit einer eigenen Kommission beim BfArM.
Was sind Schüßler-Salze und woher kommen sie?
Schüßler-Salze gehen auf Wilhelm Heinrich Schüßler aus Oldenburg zurück, der von 1821 bis 1898 lebte und sich der Homöopathie zugewandt hatte. Weil ihm die Homöopathie zu kompliziert war, entwickelte er sein eigenes Konzept. 1873 veröffentlichte er es unter dem Titel Biochemische Heilweise.
Schüßler nahm an, dass die meisten Krankheiten auf einen gestörten Mineralhaushalt zurückgehen und sich durch Zufuhr der fehlenden Mineralstoffe bekämpfen lassen. Damit folgt sein Konzept nicht dem Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie. Er kam mit zwölf Salzen aus. Seine Anhänger fügten später 15 sogenannte Ergänzungsmittel hinzu.
Hergestellt werden die Salze wie homöopathische Mittel. Üblich sind D6 und D12, also Verdünnungen von 1 zu einer Million und 1 zu einer Billion. Die meisten Präparate sind Tabletten, die man im Mund zergehen lässt. Ihr Hauptbestandteil ist Milchzucker oder Rohrzucker.
Rechtlich sind Schüßler-Salze homöopathische Arzneimittel
Die Pflichtangaben des Herstellers Pflüger für das Salz Nr. 7 zeigen das beispielhaft. Sie nennen Magnesium phosphoricum in der sechsten Dezimalpotenz (D6) und den Satz, dass es ein registriertes homöopathisches Arzneimittel ohne Anwendungsgebiet ist. Die Barmer weist darauf hin, dass die Salze so stark verdünnt sind, dass sie weder den Tagesbedarf an Mineralstoffen decken noch die empfohlene Höchstmenge überschreiten.
Was Studien zu den drei Verfahren zeigen
Für keines der drei Verfahren ist eine Wirkung über Placebo belastbar belegt. Für die individuell verordnete, klassische Homöopathie fand die Auswertung von Mathie und Kollegen 2014 in 32 Studien nur drei verlässliche. Diese deuteten auf einen kleinen Vorteil hin. Die Autoren mahnen wegen der geringen Qualität aber zur Vorsicht und fordern neue, bessere Studien. Bei der nicht individuell verordneten Homöopathie zeigten die verlässlichen Studien 2017 keinen Unterschied zu Placebo.
Zu Schüßler-Salzen gibt es keine Wirksamkeitsstudien. Das Portal medizin-transparent.at von Cochrane Österreich fand bei Literatursuchen 2013, 2014 und zuletzt 2017 keine einzige Studie, die untersucht hätte, ob die Salze wirken. Auch die Barmer schreibt, dass es keine klinischen Studien gibt, die eine Wirkung belegen. Die Autoren von medizin-transparent.at halten das Konzept für wissenschaftlich nicht plausibel, weil der Körper über die Nahrung ein Vielfaches der Mineralstoffmenge aufnimmt.
Welches Mittel halten Sie in der Hand?
Welche Art Mittel Sie kaufen, lässt sich an der Packung ablesen. Das hilft beim Vergleich von Preisen, bei Fragen an die Praxis und bei der Einordnung einer Werbeaussage.
- Zählen Sie die Wirkstoffe in der Zusammensetzung. Ein lateinischer Name mit Verdünnung bedeutet ein Einzelmittel, mehrere Namen bedeuten ein Komplexmittel.
- Suchen Sie das Wort Biochemie, den Namen Schüßler oder eine Nummer bei einem Mineralsalz. Dann halten Sie ein Schüßler-Salz in der Hand.
- Prüfen Sie, ob ein Anwendungsgebiet genannt ist oder der Satz zur Registrierung ohne Anwendungsgebiet. So erkennen Sie, ob das Mittel zugelassen oder registriert ist.
- Lesen Sie die sonstigen Bestandteile, vor allem Milchzucker (Laktose), wenn Sie ihn nicht vertragen.
Nennt die Zusammensetzung nur einen Wirkstoff mit Verdünnungsangabe?
Ist es ein Mineralsalz mit dem Zusatz Biochemie oder Schüßler und einer Nummer?
Ein Schüßler-Salz. Wirksamkeitsstudien gibt es nicht, und einen Mineralstoffmangel gleicht es nicht aus.
Ein homöopathisches Einzelmittel, wie es die klassische Homöopathie verwendet. Klassisch arbeitende Praxen wählen es nach einem langen Erstgespräch aus.
Nennt die Zusammensetzung mehrere homöopathische Wirkstoffe mit Verdünnungsangaben?
Ein Komplexmittel. Nennt die Packung ein Anwendungsgebiet, ist es zugelassen, sonst registriert.
Vermutlich ein anthroposophisches oder pflanzliches Arzneimittel. Fragen Sie in der Apotheke nach der Therapierichtung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Schüßler-Salzen und Homöopathie?
Schüßler-Salze beruhen nicht auf dem Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie, sondern auf der Annahme von Wilhelm Heinrich Schüßler von 1873, Krankheiten gingen auf einen gestörten Mineralhaushalt zurück. Er verwendete nur zwölf Mineralsalze. Hergestellt werden sie aber wie homöopathische Mittel, meist in D6 oder D12, und rechtlich gelten sie als homöopathische Arzneimittel.
Was sind homöopathische Komplexmittel?
Homöopathische Komplexmittel sind Präparate mit mehreren homöopathischen Wirkstoffen, jeder mit eigener Verdünnungsangabe. Sie werden meist nach einer Beschwerde ausgewählt und nicht nach einem Gespräch über die ganze Person. Unter den 1.034 zugelassenen homöopathischen Arzneimitteln in Deutschland sind nach der Statistik des BfArM vom Mai 2026 934 solche Mischungen.
Decken Schüßler-Salze einen Mineralstoffmangel?
Nein, Schüßler-Salze decken keinen Mineralstoffmangel. Sie sind meist auf D6 verdünnt, also 1 zu einer Million, und enthalten deshalb nach Angaben der Barmer weder genug für den Tagesbedarf noch zu viel. Wer einen Mangel an Magnesium, Calcium oder Eisen vermutet, sollte ihn ärztlich untersuchen lassen.
Gibt es Studien, die eine Wirkung von Schüßler-Salzen belegen?
Nein, zu Schüßler-Salzen gibt es keine Studien, die eine Wirkung belegen. Das Portal medizin-transparent.at von Cochrane Österreich fand bei wiederholten Literatursuchen bis 2017 keine einzige Wirksamkeitsstudie. Auch die Barmer schreibt, dass bislang keine klinischen Studien die Wirksamkeit belegen.
Warum verwendet die klassische Homöopathie nur ein einziges Mittel?
Die klassische Homöopathie verwendet nur ein einziges Mittel, weil ihr Begründer Samuel Hahnemann es in seinem Hauptwerk für unzulässig hielt, mehr als eine einfache Arzneisubstanz auf einmal zu geben. Das Einzelmittel wird nach einem ausführlichen Erstgespräch zum Gesamtbild der Beschwerden ausgewählt.
Enthalten Schüßler-Salze Milchzucker?
Ja, die meisten Schüßler-Salze sind Tabletten, deren Hauptbestandteil Milchzucker oder Rohrzucker ist. Feste Ausgangsstoffe werden nach dem Verfahren des Homöopathischen Arzneibuchs mit Milchzucker verrieben. Wer Milchzucker nicht verträgt, sollte die sonstigen Bestandteile auf der Packung lesen.
