Was ist Homöopathie und wer hat sie erfunden?
Die Homöopathie geht auf den Arzt Samuel Hahnemann zurück, der seine Ideen Ende des 18. Jahrhunderts entwickelt hat. Fachleute zählen sie zur komplementären, also ergänzenden Medizin. Sie beruht auf drei Grundsätzen.
- Ähnliches mit Ähnlichem behandeln: Ein Stoff, der bei Gesunden bestimmte Beschwerden auslöst, soll ähnliche Beschwerden bei Kranken lindern. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das Gesundheitsinformationen für Bürger erstellt, nennt als Beispiel Kaffee gegen Schlaflosigkeit.
- Mittel an Gesunden prüfen: Gesunde Freiwillige nehmen einen Stoff ein und notieren, was sie an sich bemerken. Aus diesen Beobachtungen entsteht das Bild des Mittels, das die Behandlerin später mit Ihren Beschwerden vergleicht.
- Stoffe verdünnen und verschütteln: Der Ausgangsstoff wird Schritt für Schritt verdünnt und dabei geschüttelt oder mit Milchzucker verrieben. Nach der Lehre soll die Wirkung umso stärker werden, je mehr verdünnt wird.
In der Praxis kommen zwei Regeln dazu. Die klassische Homöopathie gibt immer nur ein einziges Mittel auf einmal. Und vor der Wahl des Mittels steht ein langes Gespräch über Ihre Beschwerden und Ihr ganzes Befinden.
Was bedeuten D, C und Q auf der Packung?
Die Angabe auf der Packung heißt Potenz und besteht aus einem Buchstaben und einer Zahl. Der Buchstabe sagt, wie stark jeder einzelne Schritt verdünnt wird. Die Zahl dahinter sagt, wie viele Schritte es waren. D steht für 1 zu 10, C für 1 zu 100 und Q oder LM für 1 zu 50.000. So beschreibt es der Verband klassischer Homöopathen Deutschlands. D12 heißt also: zwölfmal 1 zu 10, am Ende 1 zu einer Billion. C30 heißt: dreißigmal 1 zu 100, am Ende 1 zu 10 hoch 60, das ist eine 1 mit 60 Nullen. D4 und C2 sind beide 1 zu 10.000 verdünnt.
| Angabe | Verdünnung je Schritt | Schritte | Verdünnung am Ende | Was das heißt |
|---|---|---|---|---|
| D4 | 1 zu 10 | 4 | 1 zu 10.000 | kleinste Verdünnung, die für eine Registrierung reicht |
| C2 | 1 zu 100 | 2 | 1 zu 10.000 | gleich stark verdünnt wie D4 |
| D6 | 1 zu 10 | 6 | 1 zu 1 Million | gleich stark verdünnt wie C3 |
| D12 | 1 zu 10 | 12 | 1 zu 1 Billion | gleich stark verdünnt wie C6 |
| D24 oder C12 | 1 zu 10 oder 1 zu 100 | 24 oder 12 | 1 zu 10 hoch 24 | ab dieser Verdünnung gilt sie amtlich als hoch |
| C30 | 1 zu 100 | 30 | 1 zu 10 hoch 60 | rechnerisch kein Teilchen des Ausgangsstoffs mehr |
Die Zahl auf der Packung nennt also keine Menge Wirkstoff in Milligramm, wie es bei einem Schmerzmittel üblich ist. Sie beschreibt, wie das Mittel hergestellt wurde. Zwei Angaben können dasselbe meinen: D12 und C6 sind beide 1 zu einer Billion verdünnt.
Ist in D12 oder C30 noch Wirkstoff enthalten?
In niedrigen Verdünnungen wie D12 ist noch etwas vom Ausgangsstoff enthalten, in C30 rechnerisch nichts mehr. Das zeigt eine einfache Rechnung. Ein Mol ist eine Stoffmenge mit 6,02 mal 10 hoch 23 Teilchen, so legt es die Avogadro-Konstante fest. Bei Kochsalz wiegt ein Mol rund 58 Gramm.
Beginnen Sie mit einem ganzen Mol und verdünnen bis D23, bleiben im Mittel noch etwa 6 Teilchen. Bei D24 oder C12 sind es rechnerisch 0,6, also im Mittel weniger als eines. Bei C30 ist der Wert winzig klein. Das IQWiG fasst es so zusammen: Viele Mittel sind so stark verdünnt, dass sie keinen Wirkstoff mehr enthalten.
Wie entsteht ein homöopathisches Mittel?
Die Herstellung regelt das Homöopathische Arzneibuch. Als homöopathisch gilt ein Arzneimittel nach dem Gesetz nur, wenn es nach einem solchen Verfahren hergestellt wurde. Es darf auch mehrere Wirkstoffe enthalten.
1. Ausgangsstoff aufbereiten
Pflanzen werden meist in Alkohol ausgezogen, das Ergebnis heißt Urtinktur. Feste Stoffe wie Mineralien werden mit Milchzucker im Verhältnis 1 zu 100 verrieben.
2. Erster Schritt: D1
Ein Teil Urtinktur kommt zu neun Teilen Alkohol. Die Flasche wird mit zehn Schlägen auf eine feste, elastische Unterlage verschüttelt. Das Ergebnis ist die D1.
3. Schritte wiederholen
Von der D1 wird wieder ein Teil mit neun Teilen Alkohol verdünnt und verschüttelt, jeweils in einem neuen Gefäß. Nach sechs Schritten ist die D6 fertig.
4. Globuli tränken
Globuli sind kleine Zuckerkügelchen. Sie werden mit der flüssigen Verdünnung befeuchtet und getrocknet. Tabletten und Tropfen entstehen nach demselben Verfahren.
5. Packung beschriften
Das Etikett nennt den Ausgangsstoff, die Menge und die Verdünnung, dazu den Hinweis Homöopathisches Arzneimittel.
Wirkt eine höhere Potenz stärker?
Nach der Lehre Hahnemanns wird ein Mittel durch jede weitere Verdünnung stärker, nicht schwächer. Manche Vertreter der Homöopathie erklären das mit einem Gedächtnis des Wassers für den gelösten Stoff. Beides hält der Prüfung nicht stand. Das IQWiG sieht für das behauptete Wirkprinzip keine plausible naturwissenschaftliche Grundlage. Der Wissenschaftsbeirat der europäischen Akademien der Wissenschaften (EASAC) nannte die Annahme eines langfristigen Wassergedächtnisses 2017 wissenschaftlich unbegründet und unplausibel.
Die Angabe auf der Packung sagt also wenig über die Wirkung.
- Sie sagt, wie oft und in welchem Verhältnis ein Stoff verdünnt wurde.
- Sie sagt, dass das Mittel nach einem Verfahren des Homöopathischen Arzneibuchs hergestellt ist.
- Sie sagt nicht, wie viel Wirkstoff in Milligramm enthalten ist. Ab D24 oder C12 ist rechnerisch keiner mehr darin.
- Sie sagt nicht, ob das Mittel bei einer bestimmten Beschwerde hilft. Ein registriertes Mittel darf nach dem Gesetz kein Anwendungsgebiet nennen.
- Sie sagt nicht, dass eine höhere Zahl stärker wirkt. Das ist eine Annahme der Lehre, kein Messergebnis.
Wie lesen Sie die Angaben auf einer Packung Globuli?
Die Pflichtangaben auf einer Packung Globuli verraten mehr, als viele Käufer vermuten. Damit erkennen Sie, was Sie in der Hand halten und welche Prüfung das Mittel durchlaufen hat.
- Lesen Sie den Namen des Ausgangsstoffs. Er steht meist lateinisch da, etwa Arnica montana für Bergwohlverleih. Ein Fantasiename darf ihn nur ergänzen, nicht ersetzen.
- Lesen Sie die Verdünnung, etwa D12 oder C30. Sie sagt, wie oft der Stoff verdünnt wurde.
- Suchen Sie die Nummer mit der Abkürzung Reg.-Nr. Daneben steht ein Satz, der sagt: registriertes Mittel, deshalb ohne Angabe, wogegen es helfen soll. Geprüft wurden dann Qualität und Unbedenklichkeit, aber keine Wirkung.
- Steht stattdessen eine Zulassungsnummer mit einem Anwendungsgebiet, ist das Mittel zugelassen.
- Nehmen Sie den Pflichthinweis ernst, bei anhaltenden Krankheitszeichen ärztlichen Rat einzuholen.
- Achten Sie auf den Vermerk Apothekenpflichtig. Er zeigt, dass das Mittel nur in Apotheken verkauft werden darf. Über die Wirkung sagt er nichts.
Häufige Fragen
Was bedeutet D12 bei homöopathischen Globuli?
D12 bedeutet, dass der Ausgangsstoff zwölfmal hintereinander im Verhältnis 1 zu 10 verdünnt und bei jedem Schritt verschüttelt wurde. Am Ende ist er 1 zu einer Billion verdünnt. Die Angabe beschreibt, wie das Mittel hergestellt wurde, und nennt keine Wirkstoffmenge in Milligramm.
Was ist der Unterschied zwischen D-Potenzen und C-Potenzen?
D-Potenzen werden bei jedem Schritt im Verhältnis 1 zu 10 verdünnt, C-Potenzen im Verhältnis 1 zu 100. Bei gleicher Zahl ist eine C-Potenz deshalb viel stärker verdünnt. C6 entspricht rechnerisch D12, beide sind 1 zu einer Billion verdünnt.
Ist in Globuli mit C30 noch Wirkstoff enthalten?
In Globuli mit C30 ist rechnerisch kein Teilchen des Ausgangsstoffs mehr enthalten. Schon ab C12 bleibt selbst aus einem ganzen Mol, bei Kochsalz rund 58 Gramm, im Mittel weniger als ein Teilchen übrig.
Was sind Q-Potenzen oder LM-Potenzen in der Homöopathie?
Q-Potenzen, auch LM-Potenzen genannt, werden bei jedem Schritt im Verhältnis 1 zu 50.000 verdünnt. Zum Vergleich: D-Potenzen werden bei jedem Schritt im Verhältnis 1 zu 10 verdünnt, C-Potenzen im Verhältnis 1 zu 100.
Wirkt ein homöopathisches Mittel mit höherer Potenz stärker?
Dass ein Mittel mit höherer Potenz stärker wirkt, ist eine Annahme der Lehre Hahnemanns und kein Messergebnis. Eine höhere Potenz enthält rechnerisch weniger Ausgangsstoff, ab D24 oder C12 keinen mehr. Das IQWiG sieht für das behauptete Wirkprinzip keine plausible naturwissenschaftliche Grundlage.
Wer hat die Homöopathie begründet?
Die Homöopathie hat der Arzt Samuel Hahnemann Ende des 18. Jahrhunderts begründet. In seinem Hauptwerk Organon der Heilkunst beschreibt er das Ähnlichkeitsprinzip, die Prüfung von Mitteln an Gesunden und das stufenweise Verdünnen.
