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Ratgeber

Was Homöopathie ist und was D12 oder C30 bedeutet

Veröffentlicht am , zuletzt aktualisiert am

Homöopathie ist eine Behandlungslehre des Arztes Samuel Hahnemann: Ähnliches soll mit Ähnlichem behandelt werden, die Mittel werden stark verdünnt. D12 heißt, der Ausgangsstoff wurde zwölfmal im Verhältnis 1 zu 10 verdünnt, C30 heißt dreißigmal im Verhältnis 1 zu 100. Ab D24 oder C12 ist rechnerisch kein Teilchen des Ausgangsstoffs mehr zu erwarten.

Verdünnung bei D12
12 Schritte zu je 1 zu 10
Verband klassischer Homöopathen Deutschlands, Homöopathische Arzneimittel und die Potenzen, Stand 21. September 2026
Verdünnung bei C30
30 Schritte zu je 1 zu 100
Verband klassischer Homöopathen Deutschlands, Homöopathische Arzneimittel und die Potenzen, Stand 21. September 2026
Mindestverdünnung registrierter Mittel
1 zu 10.000
Arzneimittelgesetz, § 39 Absatz 2 Nummer 5b, Stand 21. September 2026
Kleine Glasfläschchen mit weißen Kügelchen auf einem Holzregal, einzelne Kügelchen liegen daneben auf dem Holz.
Globuli sind kleine Zuckerkügelchen, auf die ein verdünntes Mittel aufgetragen wird. Bild: KI generiert.

Was ist Homöopathie und wer hat sie erfunden?

Die Homöopathie geht auf den Arzt Samuel Hahnemann zurück, der seine Ideen Ende des 18. Jahrhunderts entwickelt hat. Fachleute zählen sie zur komplementären, also ergänzenden Medizin. Sie beruht auf drei Grundsätzen.

  • Ähnliches mit Ähnlichem behandeln: Ein Stoff, der bei Gesunden bestimmte Beschwerden auslöst, soll ähnliche Beschwerden bei Kranken lindern. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das Gesundheitsinformationen für Bürger erstellt, nennt als Beispiel Kaffee gegen Schlaflosigkeit.
  • Mittel an Gesunden prüfen: Gesunde Freiwillige nehmen einen Stoff ein und notieren, was sie an sich bemerken. Aus diesen Beobachtungen entsteht das Bild des Mittels, das die Behandlerin später mit Ihren Beschwerden vergleicht.
  • Stoffe verdünnen und verschütteln: Der Ausgangsstoff wird Schritt für Schritt verdünnt und dabei geschüttelt oder mit Milchzucker verrieben. Nach der Lehre soll die Wirkung umso stärker werden, je mehr verdünnt wird.

In der Praxis kommen zwei Regeln dazu. Die klassische Homöopathie gibt immer nur ein einziges Mittel auf einmal. Und vor der Wahl des Mittels steht ein langes Gespräch über Ihre Beschwerden und Ihr ganzes Befinden.

Was bedeuten D, C und Q auf der Packung?

Die Angabe auf der Packung heißt Potenz und besteht aus einem Buchstaben und einer Zahl. Der Buchstabe sagt, wie stark jeder einzelne Schritt verdünnt wird. Die Zahl dahinter sagt, wie viele Schritte es waren. D steht für 1 zu 10, C für 1 zu 100 und Q oder LM für 1 zu 50.000. So beschreibt es der Verband klassischer Homöopathen Deutschlands. D12 heißt also: zwölfmal 1 zu 10, am Ende 1 zu einer Billion. C30 heißt: dreißigmal 1 zu 100, am Ende 1 zu 10 hoch 60, das ist eine 1 mit 60 Nullen. D4 und C2 sind beide 1 zu 10.000 verdünnt.

So stark sind häufige Angaben auf Packungen verdünnt (eigene Rechnung).
AngabeVerdünnung je SchrittSchritteVerdünnung am EndeWas das heißt
D41 zu 1041 zu 10.000kleinste Verdünnung, die für eine Registrierung reicht
C21 zu 10021 zu 10.000gleich stark verdünnt wie D4
D61 zu 1061 zu 1 Milliongleich stark verdünnt wie C3
D121 zu 10121 zu 1 Billiongleich stark verdünnt wie C6
D24 oder C121 zu 10 oder 1 zu 10024 oder 121 zu 10 hoch 24ab dieser Verdünnung gilt sie amtlich als hoch
C301 zu 100301 zu 10 hoch 60rechnerisch kein Teilchen des Ausgangsstoffs mehr

Die Zahl auf der Packung nennt also keine Menge Wirkstoff in Milligramm, wie es bei einem Schmerzmittel üblich ist. Sie beschreibt, wie das Mittel hergestellt wurde. Zwei Angaben können dasselbe meinen: D12 und C6 sind beide 1 zu einer Billion verdünnt.

Ist in D12 oder C30 noch Wirkstoff enthalten?

In niedrigen Verdünnungen wie D12 ist noch etwas vom Ausgangsstoff enthalten, in C30 rechnerisch nichts mehr. Das zeigt eine einfache Rechnung. Ein Mol ist eine Stoffmenge mit 6,02 mal 10 hoch 23 Teilchen, so legt es die Avogadro-Konstante fest. Bei Kochsalz wiegt ein Mol rund 58 Gramm.

Beginnen Sie mit einem ganzen Mol und verdünnen bis D23, bleiben im Mittel noch etwa 6 Teilchen. Bei D24 oder C12 sind es rechnerisch 0,6, also im Mittel weniger als eines. Bei C30 ist der Wert winzig klein. Das IQWiG fasst es so zusammen: Viele Mittel sind so stark verdünnt, dass sie keinen Wirkstoff mehr enthalten.

Wie entsteht ein homöopathisches Mittel?

Die Herstellung regelt das Homöopathische Arzneibuch. Als homöopathisch gilt ein Arzneimittel nach dem Gesetz nur, wenn es nach einem solchen Verfahren hergestellt wurde. Es darf auch mehrere Wirkstoffe enthalten.

Von der Urtinktur zum fertigen Mittel
  1. 1. Ausgangsstoff aufbereiten

    Pflanzen werden meist in Alkohol ausgezogen, das Ergebnis heißt Urtinktur. Feste Stoffe wie Mineralien werden mit Milchzucker im Verhältnis 1 zu 100 verrieben.

  2. 2. Erster Schritt: D1

    Ein Teil Urtinktur kommt zu neun Teilen Alkohol. Die Flasche wird mit zehn Schlägen auf eine feste, elastische Unterlage verschüttelt. Das Ergebnis ist die D1.

  3. 3. Schritte wiederholen

    Von der D1 wird wieder ein Teil mit neun Teilen Alkohol verdünnt und verschüttelt, jeweils in einem neuen Gefäß. Nach sechs Schritten ist die D6 fertig.

  4. 4. Globuli tränken

    Globuli sind kleine Zuckerkügelchen. Sie werden mit der flüssigen Verdünnung befeuchtet und getrocknet. Tabletten und Tropfen entstehen nach demselben Verfahren.

  5. 5. Packung beschriften

    Das Etikett nennt den Ausgangsstoff, die Menge und die Verdünnung, dazu den Hinweis Homöopathisches Arzneimittel.

Wirkt eine höhere Potenz stärker?

Nach der Lehre Hahnemanns wird ein Mittel durch jede weitere Verdünnung stärker, nicht schwächer. Manche Vertreter der Homöopathie erklären das mit einem Gedächtnis des Wassers für den gelösten Stoff. Beides hält der Prüfung nicht stand. Das IQWiG sieht für das behauptete Wirkprinzip keine plausible naturwissenschaftliche Grundlage. Der Wissenschaftsbeirat der europäischen Akademien der Wissenschaften (EASAC) nannte die Annahme eines langfristigen Wassergedächtnisses 2017 wissenschaftlich unbegründet und unplausibel.

Die Angabe auf der Packung sagt also wenig über die Wirkung.

  • Sie sagt, wie oft und in welchem Verhältnis ein Stoff verdünnt wurde.
  • Sie sagt, dass das Mittel nach einem Verfahren des Homöopathischen Arzneibuchs hergestellt ist.
  • Sie sagt nicht, wie viel Wirkstoff in Milligramm enthalten ist. Ab D24 oder C12 ist rechnerisch keiner mehr darin.
  • Sie sagt nicht, ob das Mittel bei einer bestimmten Beschwerde hilft. Ein registriertes Mittel darf nach dem Gesetz kein Anwendungsgebiet nennen.
  • Sie sagt nicht, dass eine höhere Zahl stärker wirkt. Das ist eine Annahme der Lehre, kein Messergebnis.

Wie lesen Sie die Angaben auf einer Packung Globuli?

Die Pflichtangaben auf einer Packung Globuli verraten mehr, als viele Käufer vermuten. Damit erkennen Sie, was Sie in der Hand halten und welche Prüfung das Mittel durchlaufen hat.

  1. Lesen Sie den Namen des Ausgangsstoffs. Er steht meist lateinisch da, etwa Arnica montana für Bergwohlverleih. Ein Fantasiename darf ihn nur ergänzen, nicht ersetzen.
  2. Lesen Sie die Verdünnung, etwa D12 oder C30. Sie sagt, wie oft der Stoff verdünnt wurde.
  3. Suchen Sie die Nummer mit der Abkürzung Reg.-Nr. Daneben steht ein Satz, der sagt: registriertes Mittel, deshalb ohne Angabe, wogegen es helfen soll. Geprüft wurden dann Qualität und Unbedenklichkeit, aber keine Wirkung.
  4. Steht stattdessen eine Zulassungsnummer mit einem Anwendungsgebiet, ist das Mittel zugelassen.
  5. Nehmen Sie den Pflichthinweis ernst, bei anhaltenden Krankheitszeichen ärztlichen Rat einzuholen.
  6. Achten Sie auf den Vermerk Apothekenpflichtig. Er zeigt, dass das Mittel nur in Apotheken verkauft werden darf. Über die Wirkung sagt er nichts.

Häufige Fragen

Was bedeutet D12 bei homöopathischen Globuli?

D12 bedeutet, dass der Ausgangsstoff zwölfmal hintereinander im Verhältnis 1 zu 10 verdünnt und bei jedem Schritt verschüttelt wurde. Am Ende ist er 1 zu einer Billion verdünnt. Die Angabe beschreibt, wie das Mittel hergestellt wurde, und nennt keine Wirkstoffmenge in Milligramm.

Was ist der Unterschied zwischen D-Potenzen und C-Potenzen?

D-Potenzen werden bei jedem Schritt im Verhältnis 1 zu 10 verdünnt, C-Potenzen im Verhältnis 1 zu 100. Bei gleicher Zahl ist eine C-Potenz deshalb viel stärker verdünnt. C6 entspricht rechnerisch D12, beide sind 1 zu einer Billion verdünnt.

Ist in Globuli mit C30 noch Wirkstoff enthalten?

In Globuli mit C30 ist rechnerisch kein Teilchen des Ausgangsstoffs mehr enthalten. Schon ab C12 bleibt selbst aus einem ganzen Mol, bei Kochsalz rund 58 Gramm, im Mittel weniger als ein Teilchen übrig.

Was sind Q-Potenzen oder LM-Potenzen in der Homöopathie?

Q-Potenzen, auch LM-Potenzen genannt, werden bei jedem Schritt im Verhältnis 1 zu 50.000 verdünnt. Zum Vergleich: D-Potenzen werden bei jedem Schritt im Verhältnis 1 zu 10 verdünnt, C-Potenzen im Verhältnis 1 zu 100.

Wirkt ein homöopathisches Mittel mit höherer Potenz stärker?

Dass ein Mittel mit höherer Potenz stärker wirkt, ist eine Annahme der Lehre Hahnemanns und kein Messergebnis. Eine höhere Potenz enthält rechnerisch weniger Ausgangsstoff, ab D24 oder C12 keinen mehr. Das IQWiG sieht für das behauptete Wirkprinzip keine plausible naturwissenschaftliche Grundlage.

Wer hat die Homöopathie begründet?

Die Homöopathie hat der Arzt Samuel Hahnemann Ende des 18. Jahrhunderts begründet. In seinem Hauptwerk Organon der Heilkunst beschreibt er das Ähnlichkeitsprinzip, die Prüfung von Mitteln an Gesunden und das stufenweise Verdünnen.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. § 4 Arzneimittelgesetz, Absatz 26 (Begriff des homöopathischen Arzneimittels), Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  2. § 10 Arzneimittelgesetz, Absatz 4 (Kennzeichnung registrierter homöopathischer Arzneimittel), Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  3. § 39 Arzneimittelgesetz, Entscheidung über die Registrierung homöopathischer Arzneimittel, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  4. Themendossier Homöopathische Arzneimittel, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM),
  5. Änderung der Dosierungsempfehlungen der Kommission D für homöopathische Arzneimittel in hohen Verdünnungsgraden (ab D24/C12), Stand 17.03.2004, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM),
  6. Arzneibuch: Europäisches, Deutsches und Homöopathisches Arzneibuch (HAB 2025), Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM),
  7. Glossar: Homöopathie, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG),
  8. Homeopathic products and practices: assessing the evidence and ensuring consistency in regulating medical claims in the EU, Statement, September 2017, European Academies' Science Advisory Council (EASAC),
  9. CODATA Value: Avogadro constant, National Institute of Standards and Technology (NIST),
  10. Samuel Hahnemann: Organon der Heilkunst, 6. Auflage, § 26 (Ähnlichkeitsprinzip), Zeno.org, nach der Ausgabe Ulm 1958,
  11. Samuel Hahnemann: Organon der Heilkunst, 6. Auflage, §§ 270 und 273 (Potenzierung, Einzelmittel), Zeno.org, nach der Ausgabe Ulm 1958,
  12. Homöopathische Arzneimittel und die Potenzen, Verband klassischer Homöopathen Deutschlands e.V. (VKHD),

Einsatz von Sprachmodellen

Ein Sprachmodell hat die wiederkehrenden Sätze auf den Orts- und Praxisseiten formuliert, die Ratgeber mitgeschrieben und Quellen gesucht. Die Beitragsbilder der Ratgeber hat eine Bild-KI erzeugt, sie sind als KI-Bild gekennzeichnet. Anschrift, Kontaktwege und Öffnungszeiten der Praxen übernimmt ein festes Programm aus OpenStreetMap, ein Sprachmodell verändert sie nicht.

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Stand dieser Angaben: 26. September 2026.