Was Studien zur Wirkung der Homöopathie zeigen
Große Auswertungen finden keinen verlässlichen Beleg, dass homöopathische Mittel mehr bewirken als ein Scheinmedikament. Sie fassen alle auffindbaren Studien zu einer Frage zusammen und vergleichen mit einem Placebo, einem Scheinmittel ohne Wirkstoff, das genauso aussieht. Nur so lässt sich trennen, was das Mittel selbst bewirkt und was Erwartung, Zuwendung und der natürliche Verlauf einer Beschwerde beitragen.
Vier große Auswertungen aus den Jahren 1997 bis 2017 umfassen zwischen 32 und 110 Studien.
| Auswertung | Zahl der Studien | Ergebnis | Einschränkung der Autoren |
|---|---|---|---|
| Linde und Kollegen, 1997 (The Lancet) | 89 Studien | Gesamtergebnis zugunsten der Homöopathie, bei den 26 besseren Studien kleiner | Für keine einzelne Erkrankung ausreichender Beleg |
| Shang und Kollegen, 2005 (The Lancet) | 110 zur Homöopathie, 110 passende zur Schulmedizin | Bei 8 großen, besseren Homöopathie-Studien kein gesicherter Effekt, bei 6 vergleichbaren Studien der Schulmedizin ein klarer | Vereinbar mit der Annahme, dass die Wirkungen der Homöopathie Placeboeffekte sind |
| Mathie und Kollegen, 2014 (individuell verordnete Homöopathie) | 32 Studien zu 24 Krankheiten | Kleiner Vorteil im Gesamtergebnis, auch in den 3 verlässlichsten Studien | Nur 3 Studien verlässlich, 20 mit hohem Risiko für verfälschte Ergebnisse; Vorsicht bei der Deutung |
| Mathie und Kollegen, 2017 (Standardmittel für alle Betroffenen) | 75 Studien zu 48 Krankheiten | Die 3 verlässlichen Studien zusammen: kein Unterschied zu Placebo | Für keine einzelne Krankheit verlässliche Belege |
Ein Muster zieht sich durch drei der vier Arbeiten. Zählt man alle Studien zusammen, erscheint oft ein kleiner Vorteil. Zählen nur die großen, besseren Studien, schrumpft er oder verschwindet. Shang und Kollegen fanden außerdem, dass kleine und schlechtere Studien in der Homöopathie wie in der Schulmedizin größere Effekte zeigten. Nur bei der Schulmedizin blieb in den besten Studien ein klarer Effekt übrig. Anders sieht es 2014 aus: Die drei verlässlichsten Studien zur individuell verordneten Homöopathie zeigten einen kleinen Vorteil. Die Autoren mahnen wegen der schwachen Studienlage aber zur Vorsicht.
Warum manche Homöopathie-Studien zu gut aussehen
Viele Homöopathie-Studien werden vorab nicht angemeldet, und viele angemeldete erscheinen nie. Das zeigt eine Auswertung von Gartlehner und Kollegen von 2022. Angemeldet heißt: Ziel und Hauptmesswert stehen in einem öffentlichen Studienregister, am besten schon vor Beginn. So lässt sich später prüfen, ob die Veröffentlichung misst, was versprochen war. Nachträgliche Anmeldungen waren bei Homöopathie-Studien häufiger als rechtzeitige.
- Fast 38 Prozent der seit 2002 angemeldeten Studien blieben unveröffentlicht.
- 50 Prozent der veröffentlichten Studien, in denen das Los entscheidet, wer das Mittel und wer Placebo bekommt, waren nie angemeldet.
- Bei 25 Prozent wich das Hauptziel der Veröffentlichung vom Eintrag im Register ab.
- Nicht angemeldete Studien zeigten deutlich größere Effekte. Die angemeldeten zusammen ergaben keinen statistisch gesicherten Effekt.
Die Autoren folgern, dass die veröffentlichte Literatur den wahren Effekt überschätzen kann. Deshalb vergleichen gute Auswertungen vor allem Studien mit dem geringsten Risiko für Fehler.
Was Behörden und Wissenschaftsakademien zur Homöopathie sagen
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erstellt Gesundheitsinformationen für Bürger. Es fasst die Lage so zusammen: Für kein homöopathisches Mittel ist eine Wirkung über Placebo hinaus nachgewiesen. Weitere Stellen kommen zum selben Ergebnis.
Frankreich, Australien und Großbritannien sehen es ähnlich
Eine Untersuchung des britischen Unterhauses kam 2010 zu dem Schluss, dass homöopathische Produkte nicht besser wirken als Placebo. Der australische Gesundheits- und Forschungsrat NHMRC fand 2015 in 57 Auswertungen zu 68 Gesundheitsstörungen keine Erkrankung mit verlässlichem Beleg der Wirkung. Er riet, Homöopathie nicht bei chronischen, schweren oder möglicherweise schwer werdenden Erkrankungen einzusetzen. Der Wissenschaftsbeirat der europäischen Akademien der Wissenschaften (EASAC) gab beides 2017 wieder und hielt fest: Für keine bekannte Krankheit zeigen belastbare, wiederholbare Belege, dass Homöopathie über den Placeboeffekt hinaus wirkt.
Die französische Gesundheitsbehörde HAS prüfte 2019 rund 1.200 homöopathische Mittel und mehr als 1.000 Veröffentlichungen. Für keine der 24 Beschwerden mit wissenschaftlichen Daten reichte die Wirkung für eine Kostenerstattung aus, darunter Angststörungen und akute Atemwegsinfekte bei Kindern.
Deutsche Ärzte streichen die Zusatzbezeichnung Homöopathie
Der 126. Deutsche Ärztetag strich am 26. Mai 2022 in Bremen die Zusatzbezeichnung Homöopathie aus der Muster-Weiterbildungsordnung. Eine Zusatzbezeichnung ist eine Zusatzqualifikation, die Ärztinnen und Ärzte auf dem Praxisschild führen dürfen. Die Ärztekammer Nordrhein nennt als Grund: Es gebe keine wissenschaftlichen Studien, die einen Einsatz nach gesichertem Wissen belegten. 13 von 17 Landesärztekammern hatten sie schon gestrichen.
Warum fühlen sich viele Menschen nach Globuli besser?
Dass es vielen Menschen nach einer homöopathischen Behandlung, etwa mit Globuli, besser geht, bestreitet keine der genannten Stellen. Globuli sind kleine Zuckerkügelchen mit einem verdünnten Mittel. Die EASAC nennt drei Gründe, die mit dem Mittel selbst nichts zu tun haben.
- Der Placeboeffekt: Die Erwartung einer Besserung und die Zuwendung können das Befinden bessern, auch wenn das Mittel nichts beiträgt.
- Der natürliche Verlauf: Viele leichte Beschwerden heilen von selbst. Die HAS nennt das ausdrücklich als Grund, warum solche Beschwerden nicht zwingend ein Arzneimittel brauchen.
- Die Rückkehr zum Mittelwert: Wer am schlimmsten Tag zur Behandlung geht, erlebt danach meist einen besseren Tag, egal was er einnimmt. Fachleute nennen das Regression zur Mitte.
Die EASAC sieht ein Problem, wenn Behandelnde Mittel empfehlen, von denen sie wissen, dass sie biologisch unwirksam sind: Die Patienten stimmen dann ohne vollständige Information zu. EASAC und HAS warnen außerdem, dass eine nötige Behandlung aufgeschoben werden kann.
Zahlt die Krankenkasse noch Homöopathie?
Seit dem 30. Juli 2026 zahlen die gesetzlichen Krankenkassen keine homöopathischen Arzneimittel mehr. Das Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung vom 24. Juli 2026 nimmt homöopathische und anthroposophische Arzneimittel vom Anspruch der Versicherten aus. Ärztinnen und Ärzte dürfen sie nur noch auf Privatrezept verordnen, sonst droht ihnen eine Rückforderung durch die Kasse, so die Kassenärztliche Bundesvereinigung.
Zum 1. Januar 2027 kommt ein zweiter Schritt. Dann dürfen Kassen Homöopathie auch nicht mehr als freiwillige Zusatzleistung bezahlen, weder Arzneimittel noch Behandlungen. Bis zum 31. Dezember 2026 ist das noch erlaubt. Ob eine Kasse bis dahin bei der Kostenerstattung beim Heilpraktiker etwas zuschießt, regelt ihre Satzung.
Für Behandlungen beim Heilpraktiker ändert sich an der Rechnung wenig, denn als Regelleistung hat die gesetzliche Kasse sie nie getragen. In der Apotheke bleiben homöopathische Mittel erhältlich, weil das Gesetz ihre Registrierung ohne Beleg der Wirkung weiter erlaubt.
Woran Sie eine aussagekräftige Homöopathie-Studie erkennen
Praxen, Hersteller und Verbände verweisen gern auf einzelne Studien mit positivem Ergebnis. Ob eine Studie etwas beweist, prüfen Sie in fünf Schritten, auch ohne Vorbildung.
- Prüfen Sie, ob die Studie mit einem Placebo verglichen hat und ob weder Teilnehmende noch Behandelnde wussten, wer was bekommt. Das heißt doppelt verblindet. Ohne Placebogruppe lässt sich die Wirkung des Mittels nicht vom Rest trennen.
- Achten Sie auf die Zahl der Teilnehmenden. In der Auswertung von 2005 hatte die Hälfte der Studien höchstens 65 Teilnehmende, und kleine Studien zeigten dort größere Effekte als große.
- Suchen Sie die Studie in einem Register, etwa im Deutschen Register Klinischer Studien oder auf ClinicalTrials.gov. Fehlt der Eintrag, kam er erst nach Studienbeginn oder wurde das Hauptziel geändert, wiegt das Ergebnis weniger.
- Fragen Sie, wer die Studie bezahlt hat. In der Cochrane-Auswertung zu Atemwegsinfekten bei Kindern finanzierten Hersteller 3 von 8 Studien.
- Vergleichen Sie mit einer Auswertung oder unabhängigen Bewertung, etwa von IQWiG, HAS oder EASAC. Eine einzelne Studie wiegt nie mehr als die Gesamtheit.
Hat eine Ärztin oder ein Arzt Ihre Beschwerde untersucht?
Würden Sie wegen der Homöopathie eine nötige Behandlung aufschieben?
Besprechen Sie das zuerst mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Homöopathie darf eine nötige Behandlung nicht verzögern, das betont auch die französische Gesundheitsbehörde HAS.
Wenn Sie es dennoch versuchen möchten, lassen Sie sich die Kosten vorher schriftlich geben und vereinbaren Sie einen Zeitpunkt zur Überprüfung. Akzeptieren Sie kein Heilversprechen.
Lassen Sie die Beschwerde zuerst ärztlich abklären. Ein homöopathisches Mittel stellt keine Diagnose, und manche Ursachen brauchen rasch eine wirksame Behandlung.
Häufige Fragen
Wirkt Homöopathie besser als ein Placebo?
Homöopathie wirkt nach den großen Auswertungen nicht nachweislich besser als ein Placebo. Die acht größten, besten Studien einer Auswertung von 2005 zeigten keinen gesicherten Effekt, ebenso die drei verlässlichen Studien einer Auswertung von 2017. Nur bei der individuell verordneten Homöopathie zeigten die drei verlässlichsten Studien 2014 einen kleinen Vorteil, die Autoren mahnen aber zur Vorsicht.
Warum fühlen sich viele Menschen nach der Einnahme von Globuli besser?
Menschen fühlen sich nach Globuli oft besser, weil mehrere Dinge zusammenkommen, die mit dem Mittel selbst nichts zu tun haben. Die europäischen Akademien der Wissenschaften nennen in ihrer Stellungnahme von 2017 den Placeboeffekt, den natürlichen Verlauf vieler Beschwerden und die Rückkehr zum Mittelwert nach einem besonders schlechten Tag.
Gibt es Studien, die eine Wirkung der Homöopathie zeigen?
Ja, es gibt einzelne Homöopathie-Studien mit positivem Ergebnis, vor allem kleine und nicht angemeldete. Eine Auswertung von 2022 fand, dass nicht angemeldete Studien deutlich größere Effekte zeigen als angemeldete und dass fast 38 Prozent der angemeldeten Studien nie erschienen. Bei den angemeldeten Studien zusammen blieb kein gesicherter Effekt.
Ab wann zahlen die Krankenkassen keine homöopathischen Arzneimittel mehr?
Seit dem 30. Juli 2026 zahlen die gesetzlichen Krankenkassen keine homöopathischen Arzneimittel mehr, weil ein neues Gesetz sie vom Anspruch der Versicherten ausnimmt. Ab dem 1. Januar 2027 dürfen Kassen Homöopathie auch nicht mehr als freiwillige Zusatzleistung bezahlen. Bis zum 31. Dezember 2026 ist das noch möglich.
