Bei welchen Warnzeichen muss ein Kind zum Arzt?
Die meisten Kinder mit Fieber haben eine harmlose Virusinfektion und sind nach zwei oder drei Tagen wieder gesund. Nur etwa eines von 100 fiebernden Kindern hat laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) eine ernste Erkrankung, die ärztlich behandelt werden muss. Diese Kinder erkennen Eltern an festen Warnzeichen. Sie stehen in der Handlungsempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, die auf einer Auswertung der Studien beruht.
Bei Babys unter 3 Monaten zählt schon eine Temperatur ab 38,0 Grad. Bei Kindern unter etwa 2 Jahren ist Fieber länger als 1 Tag ein Grund für die Praxis, ab etwa 2 Jahren Fieber länger als 3 Tage.
| Alter | Zeichen | Was zu tun ist |
|---|---|---|
| Unter 3 Monaten | Temperatur ab 38,0 Grad, im Po gemessen | Ärztlich untersuchen lassen, auch ohne weitere Zeichen |
| Unter etwa 2 Jahren | Fieber länger als 1 Tag | In die Kinderarztpraxis gehen |
| Ab etwa 2 Jahren | Fieber länger als 3 Tage | In die Kinderarztpraxis gehen |
| Jedes Alter | Schrilles Schreien, starke Schmerzen, Teilnahmslosigkeit oder Verwirrtheit, sehr schnelles Atmen oder Luftnot, steifer Nacken, Fieberkrampf | Arztpraxis oder Notfallambulanz aufsuchen |
| Jedes Alter | Hautausschlag, der sich unter einem Glas nicht wegdrücken lässt; sehr blasse, graue oder blaue Haut | Arztpraxis oder Notfallambulanz aufsuchen |
| Jedes Alter | Trinkverweigerung, seit 12 Stunden kein Wasser gelassen, trockener Mund, eingesunkene Augen, keine Tränen | Ärztliche Hilfe holen, weil das Kind austrocknet |
| Jedes Alter | Es geht dem Kind seit dem letzten Arztbesuch schlechter; ein Säugling lässt sich wiederholt nicht stillen oder füttern | Arztpraxis oder Notfallambulanz aufsuchen |
Bei Säuglingen gilt eine niedrigere Schwelle. Die Handlungsempfehlung warnt, dass Fieber in den ersten drei Lebensmonaten oft fehlen kann, obwohl eine schwere bakterielle Infektion besteht. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit rät, mit einem jungen Baby bald in die Praxis zu gehen, wenn es ungewöhnlich schlapp oder teilnahmslos wirkt oder nur kurz und schwach trinkt. Gemessen wird bei Neugeborenen und Säuglingen im Po mit einem Digitalthermometer, ab einem Jahr reicht meist ein Thermometer im Ohr.
Welche Kinderkrankheiten darf nur ein Arzt behandeln?
Das Infektionsschutzgesetz behält Feststellung und Behandlung bestimmter ansteckender Krankheiten Ärztinnen und Ärzten vor. Eine Heilpraktikerpraxis darf sie weder mit Globuli noch mit einem anderen Verfahren behandeln. Dazu gehören:
- Masern, Mumps und Röteln
- Keuchhusten und Diphtherie
- Windpocken
- Scharlach und andere Infektionen mit Streptococcus pyogenes
- Ansteckende Borkenflechte (Impetigo contagiosa) und Krätze (Skabies)
- Virushepatitis A oder E und Meningokokken-Infektionen
Weil sich diese Krankheiten auf andere übertragen, regelt das Gesetz auch den Kita- und Schulbesuch. Kinder mit einer dieser Krankheiten dürfen erst wieder hin, wenn nach ärztlichem Urteil keine Ansteckung mehr zu befürchten ist. Auch sonst gibt es klare Regeln dafür, was Heilpraktiker dürfen und was nicht.
Was Studien zu Globuli bei Kindern zeigen
Für Kinder gibt es keinen verlässlichen Beleg, dass Globuli Infekte verhindern oder schneller heilen. Die Cochrane-Forschergruppe wertete 2018 acht Studien mit 1.562 Kindern zu Atemwegsinfekten aus. Die meisten Kinder haben laut dieser Auswertung drei bis sechs solcher Infekte im Jahr, und die Infekte heilen meist von selbst. In den Studien entschied das Los, wer das Mittel und wer ein Scheinmittel bekam.
Alle Studien mit geringem Risiko für verfälschte Ergebnisse zeigten keinen Nutzen. Einen Nutzen meldeten nur Studien mit unklarem oder hohem Risiko. Drei der acht Studien hatten Hersteller homöopathischer Mittel bezahlt. Zu Nebenwirkungen konnten die Autoren nichts Sicheres sagen, weil sie kaum berichtet wurden. Auch die Auswertungen zur Wirkung der Homöopathie insgesamt finden keinen verlässlichen Beleg.
Können Globuli eine Impfung ersetzen?
Nein. Homöopathische Mittel aus Krankheitserregern, manchmal Nosoden oder homöopathische Impfungen genannt, erzeugen keinen Schutz vor Infektionen. Das zeigt eine Studie von Loeb und Kollegen von 2018 in der Fachzeitschrift Vaccine. 150 Studierende bekamen homöopathische Präparate gegen Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus, Mumps und Masern, ein Placebo oder die üblichen Impfstoffe.
In der Homöopathie- und der Placebogruppe bildete niemand mindestens doppelt so viele Antikörper wie vorher. Antikörper sind die Abwehrstoffe, die nach einer Impfung vor der Krankheit schützen. Nach der üblichen Impfung gegen Diphtherie, Keuchhusten und Tetanus stiegen sie bei 68 bis 88 Prozent der Geimpften deutlich an, je nach Erreger. Die Teilnehmenden waren Studierende, keine Kinder. Die Studie zeigt aber, dass Globuli keine Abwehrstoffe bilden lassen.
Welche Risiken haben Globuli für Kinder?
Ein Risiko liegt darin, dass Homöopathie an die Stelle einer nötigen Behandlung tritt. Dazu kommen direkte Nebenwirkungen. Eine Übersicht von Posadzki, Alotaibi und Ernst von 2012 fand 38 veröffentlichte Fallberichte mit zusammen 1.159 Betroffenen, nicht nur Kindern. 30 Berichte betrafen direkte Nebenwirkungen, vor allem allergische Reaktionen und Vergiftungen. 8 Berichte betrafen Schäden, weil Homöopathie statt einer wirksamen Behandlung eingesetzt wurde. Vier Menschen starben.
Die US-Arzneimittelbehörde FDA warnt, dass manche homöopathischen Mittel für Säuglinge und Kinder aus giftigen Ausgangsstoffen wie Tollkirsche (Belladonna), Brechnuss, Quecksilber oder Blei hergestellt werden. Ohne ausreichende Herstellungskontrolle können sie mehr davon enthalten, als die angegebene Verdünnung erwarten lässt. In Deutschland muss ein registriertes Mittel mindestens 1 zu 10.000 verdünnt sein, und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) prüft Qualität und Unbedenklichkeit. Nach bekannt gewordenen Risiken hat es schon die Anwendung niedriger Verdünnungen eingeschränkt.
Wer bezahlt Globuli für Kinder?
Seit dem 30. Juli 2026 bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen keine homöopathischen Mittel mehr, auch nicht für Kinder. Bis dahin konnten Ärztinnen und Ärzte nicht rezeptpflichtige Arzneimittel für Kinder bis zum 12. Geburtstag auf Kassenrezept verordnen. Das neue Gesetz nimmt homöopathische und anthroposophische Arzneimittel ausdrücklich vom Anspruch aus. Globuli für Ihr Kind kaufen Sie also selbst oder auf Privatrezept. Freiwillige Zuschüsse einzelner Kassen sind noch bis zum 31. Dezember 2026 möglich, danach schließt das Gesetz sie aus.
Ist Ihr Kind jünger als 3 Monate und hat es 38 Grad oder mehr?
Lassen Sie es ärztlich untersuchen, auch wenn es sonst gesund wirkt. Die Handlungsempfehlung der Kinderärzte verlangt das ausdrücklich.
Hat Ihr Kind ein Warnzeichen wie schrilles Schreien, Atemnot oder einen Ausschlag, der sich nicht wegdrücken lässt?
Gehen Sie in eine Arztpraxis oder Notfallambulanz. Globuli sind in dieser Lage keine Option.
Hält das Fieber länger als 3 Tage an, bei Kindern unter etwa 2 Jahren länger als 1 Tag, oder wird es schlechter?
Stellen Sie Ihr Kind in der Kinderarztpraxis vor.
Ihr Kind kann meist zu Hause versorgt werden: trinken, schlafen, Nähe. Ein homöopathisches Mittel ersetzt keine dieser Maßnahmen und keinen Arztbesuch, wenn sich etwas ändert.
- Kennen Sie die Warnzeichen, bevor Ihr Kind krank wird. Die Handlungsempfehlung rät, Eltern schon bei der ersten Impfung schriftliche Informationen zum Umgang mit Fieber anzubieten.
- Geben Sie Globuli nie anstelle einer Impfung oder einer ärztlich verordneten Behandlung.
- Nehmen Sie den Hinweis auf der Packung ernst: Bei anhaltenden Krankheitszeichen ist ärztlicher Rat einzuholen.
- Kaufen Sie homöopathische Mittel in der Apotheke und nicht über unbekannte Onlinequellen. Qualität und Verdünnung sind nur bei registrierten oder zugelassenen Mitteln geprüft.
- Fragen Sie eine Heilpraktikerpraxis, bei welchen Zeichen sie Ihr Kind an die Kinderarztpraxis verweist. Meiden Sie Praxen, die Heilung versprechen oder vom Impfen abraten.
Häufige Fragen
Ersetzen Globuli bei Fieber eines Babys den Arztbesuch?
Nein, Globuli ersetzen bei Fieber eines Babys keinen Arztbesuch. Ein Baby unter 3 Monaten mit 38,0 Grad oder mehr, im Po gemessen, soll nach der Handlungsempfehlung der Kinder- und Jugendärzte ärztlich untersucht werden. In diesem Alter kann eine schwere bakterielle Infektion sogar ohne Fieber bestehen.
Können Globuli eine Impfung beim Kind ersetzen?
Nein, Globuli können eine Impfung nicht ersetzen. In einer Studie von 2018 bildete niemand nach homöopathischen Präparaten gegen Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus, Mumps und Masern Antikörper. Nach den üblichen Impfstoffen gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten waren es 68 bis 88 Prozent.
Zahlt die Krankenkasse Globuli für Kinder unter 12 Jahren?
Nein, seit dem 30. Juli 2026 zahlt die gesetzliche Krankenkasse Globuli auch für Kinder unter 12 Jahren nicht mehr. Ein neues Gesetz nimmt homöopathische und anthroposophische Arzneimittel ganz vom Anspruch aus. Freiwillige Zuschüsse einzelner Kassen enden am 31. Dezember 2026.
Darf ein Heilpraktiker Masern oder Keuchhusten bei einem Kind behandeln?
Nein, ein Heilpraktiker darf Masern oder Keuchhusten nicht behandeln. Das Infektionsschutzgesetz behält Feststellung und Behandlung dieser und weiterer ansteckender Krankheiten Ärztinnen und Ärzten vor, darunter Mumps, Röteln, Windpocken, Scharlach, Borkenflechte und Krätze.
Helfen Globuli Kindern bei Erkältungen und anderen Atemwegsinfekten?
Globuli helfen Kindern bei Atemwegsinfekten nach dem Stand der Forschung nicht nachweislich. Die Cochrane-Auswertung von 2018 fand in 8 Studien mit 1.562 Kindern keinen Beleg für eine Wirkung. Die meisten Atemwegsinfekte heilen bei Kindern von selbst.
Können homöopathische Mittel einem Kind schaden?
Homöopathische Mittel können einem Kind schaden, vor allem indirekt, wenn eine nötige Behandlung ausbleibt. Eine Übersicht von 2012 fand 38 Fallberichte mit 1.159 Betroffenen jeden Alters und vier Todesfällen, darunter 8 Berichte über Schäden durch den Ersatz einer wirksamen Behandlung. Die US-Behörde FDA warnt zudem vor schlecht hergestellten Kindermitteln aus giftigen Stoffen wie Tollkirsche.
